»Heute haben Elwood und ich einen treuen Freund und Kollaborateur verloren. Und die Welt einen der von Natur aus innovativsten Schlagzeuger sowie einen großen und echten Sohn Texas'. Sein einzigartiger Backbeat hielt uns an der Spitze.« Mit diesen Worten würdigte der singende Gitarrist Billy Gibbons die Bedeutung und das Vermächtnis von Frank Beard, das stets mehr war als der eine von ZZ Top ohne Rauschebart.
Der am 11. Juni 1949 im texanischen Frankston geborene Beard war der Motor dieses unvergleichlich lässigen Blues- und Boogie-Rock-Trios, das sich 1969 bildete: Mit dem 2021 verstorbenen Bassisten Dusty Hill spielte Beard vorher bei American Blues, die 1968 zwei Alben veröffentlicht hatten. Kurze Zeit später trennte sich die Formation. Gitarrist Rocky Hill schwebte eine blueslastigere Ausrichtung vor, Dusty wiederum stand der Kopf nach deutlich mehr Rock. Während der ältere Hill-Bruder als Solomusiker weiterzog, schlossen sich Dusty Hill und Frank Beard einer Combo an, die sich erst kurz zuvor aus den Moving Sidewalks entwickelt hatte — und gerade bloß aus dem Gitarristen Billy Gibbons bestand: ZZ Top.
Schon auf ihrem Einstand ZZ Top’s First Album — auf dessen Hülle der Drummer noch Rube Beard genannt wird — fanden sich 1971 alle Soundelemente, die das Trio in seiner ersten Bandphase bis 1977 auf Werken wie Tres Hombres (1973) und dem halb Studio-, halb Live-Album Fandango! (1975) perfektionieren sollte: staubiger, mit demonstrativer Lässigkeit vorgetragener Texas-Bluesrock mit Boogie- und Hardrock-Geschmacksnoten, der frühe Radiohits hervorbrachte wie ›La Grange‹ (Tres Hombres), einer Hymne auf ein Freudenhaus namens Chicken Ranch, oder ›Tush‹ (Fandango!). Höhepunkt dieser Phase war die World Texas Tour, bei der ZZ Top 1976/1977 einen ganzen Wanderzirkus nebst lebendigem Texas-Getier im Schlepptau hatten.
Nach einer zweijährigen Bandpause, in der sich Gibbons und Hill ihre ikonischen Rauschebärte wachsen ließen, wurde aus dem bisher vornehmlich US-amerikanischen Phänomen ZZ Top eine globale Institution: Ab Eliminator (1983) reicherten sie ihren Bluesrock mit Synthesizern und tanzbaren Rhythmen an; nicht zuletzt die dazugehörigen Musikvideos machten Songs wie ›Gimme All Your Lovin'‹ oder ›Sharp Dressed Men‹ zu Mainstream-Erfolgen.
Zu ihren urigen Sound-Ursprüngen kehrte das Trio ab Antenna (1994) zurück. Ihr bislang letztes Werk La Futura erschien 2012 — wie ausnahmslos alle Werke in der Besetzung Billy Gibbons, Dusty Hill und Frank Beard eingespielt. Ein weiteres Werk soll in Arbeit sein. Diese änderte sich erst mit dem Tod des Bassisten im Jahr 2021: Auf dessen Wunsch führten der singende Gitarrist und der Schlagzeuger die Band mit Elwood Francis fort, der vorher als Gitarrentechniker für ZZ Top gearbeitet hatte.
Vor anderthalb Jahren fiel auch Frank Beard aus gesundheitlichen Gründen aus. Zunächst temporär wurde er von John Douglas vertreten. Dieser hatte seinen Platz bereits 2002 eingenommen, als Beard sich den Blinddarm entfernen lassen musste. Auch den jüngst beendeten Europa-Abstecher spielte der Schlagzeuger nicht mehr mit — für ihn saß Michael Monahan hinter dem Drumkit. Am 17. August starb Frank Beard in Hospizbehandlung auf seiner Ranch in Richmond in seinem Heimatbundesstaat Texas. Er wurde 77 Jahre alt.
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