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Velvet Rush

Niemand weiß, was morgen ist

Gleich mit ihrer ersten Single ›Euphonia‹ machten Velvet Rush international auf sich aufmerksam. Nach einem höchst erfolgreichen Festival-Sommer 2025 debütiert die Vintage-Rock-Formation um Sängerin Sandra Lian mit einem bockstarken Album.

TEXT: MAXIMILIAN BLOM |FOTO: Florian Lübke

Die Hamburger Livemusik-Szene ist traditionell ein guter Nährboden für ambitionierte Musiktalente. Die Beatles verdienten sich bekanntermaßen in der Hafenstadt ebenso ihre Sporen wie Udo Lindenberg oder die Ur-Hanseaten Helloween. Auch die versierten Mitglieder von Velvet Rush stießen sich in dieser auch heute noch vibrierenden Musiklandschaft einst die Hörner ab. Gitarrist Dennis Henning kennt man zudem von seiner Zeit bei Ohrenfeindt, Bassist Tim Schwarz ist auch bei den Riff-Rockern Hardbone aktiv.

»Wir haben alle in verschiedenen Formationen auf dem Kiez Musik gemacht. Ich selbst habe in Coverbands gespielt und zuvor hier in Hamburg Gesang, Tanz und Schauspiel studiert. In dieser Zeit habe ich aber auch gemerkt, dass es nichts für mich ist, in Rollen zu schlüpfen. Ich möchte auf der Bühne ich selbst sein, deshalb habe ich vor zwei Jahren meine eigene Band gegründet«, erzählt Frontfrau Sandra Lian, die gebürtig aus Ingolstadt stammt.



»Mit Tim, den ich vorher schon kannte, habe ich viel über die musikalische Ausrichtung gesprochen. Ich habe früher viel Soul gesungen, aber auch Tina Turner war eines meiner Vorbilder. Vor allem sind wir alle große Fans des Siebziger-Hardrock. Besonders unser Gitarrist Dennis, den Tim aus seiner Zeit bei einer AC/DC-Coverband kennt, verkörpert das. Auch wenn ich aus einer anderen Richtung komme, war mir klar, dass dort meine Stärken liegen und ich dabei richtig aufgehe.«

Als ein erstes Ergebnis ihrer Findungsphase veröffentlichte die Formation im Oktober 2024 die Single ›Euphonia‹, auf der im Folgemärz veröffentlichten EP gleichen Namens scheint Lians Liebe für den Soul ebenso durch wie die gemeinsame Freude am kernigen Hardrock der siebziger Jahre. Selbst nennt sie die Bands AC/DC, Led Zeppelin und Free als Inspirationen, was ihr wenig überraschend Vergleiche mit dem rockigeren Wirken der Blues Pills oder der Thundermother-Inkarnation mit Guernica Mancini einbrachte, die ebenso wie Lian über ein ausgesprochen soulgetränktes Organ verfügt.



Auf ihrem Album-Einstand Trail Of Gold verfolgen sie diesen Weg konsequent weiter, allerdings mit einem dezent wie stimmig modernisierten Sound. Eine durchaus bewusste Entscheidung, um die Band ganz im Hier und Jetzt zu verorten und eine breitere Hörerschaft anzusprechen, wie die Sängerin erklärt. Und in gewisser Weise auch die textlichen Inhalte der Stücke widerzuspiegeln.

»Mit der EP wollte ich darstellen, dass ich das Vergangene hinter mir lasse. Ich habe darauf meinen Weg zu mir selbst reflektiert. Mit Trail Of Gold steht uns jetzt der titelgebende goldene Weg bevor. Und das empfinde nicht nur ich so: Jeder von uns hat das Gefühl, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein und endlich eine musikalische Heimat gefunden zu haben. Velvet Rush ist die Band, auf die wir alle irgendwie schon lange gewartet haben.«



Diese Leidenschaft merkt man dem Quartett nicht nur auf ihren Studio-Werken an, sondern vor allem auch auf der Bühne: Im Laufe des Jahres 2025 spielten sie neben drei Konzerten im Vorprogramm von Alice In Chains-Frontmann Jerry Cantrell auch auf diversen Festivals, darunter das Rockharz in Ballenstedt. Auf diesem »Saison-Highlight«, wie die Frontfrau es bezeichnet, entstanden auch Teile des Musikvideos zu ›Trail Of Gold‹. Bei Erscheinen dieser Ausgabe befinden sich Velvet Rush mit den isländischen Genre-Kollegen The Vintage Caravan auf Europa-Tour.

»Unsere Zeit ist jetzt!«, erklärt Sandra Lian selbstbewusst die Umtriebigkeit ihrer jungen Formation. »Wären wir alle noch Anfang zwanzig, würde das vielleicht langsamer und anders laufen. Aber man weiß eben nie, wie lange man auf dieser Erde lebt, deshalb wollen wir die Chancen nutzen, die uns geboten werden. Es ist natürlich ein Investment und ein gewisses Risiko, aber wenn man leidenschaftlich hinter etwas steht, macht man das gerne. Davon handelt auch die Nummer ›Find What You Would Die For‹, dessen Titelzeile eine Maxime in meinem Leben geworden ist: Identifiziere und lebe für die Dinge, für die du auch sterben würdest. Nutze den heutigen Tag, denn niemand weiß, was morgen ist.«


Mehr Velvet Rush: ► ROCKS Nr. 109 (06/2025) (jetzt auch ►digital erhältlich!)

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