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Ratt

Infestation (2010)

»Generell ist alles, was wir machen, sehr schwierig«, gab Gitarrist Warren DeMartini 2010 zur Veröffentlichung dieses Albums zu verstehen. Und legte nach: »Infestation ist entstanden, weil noch zehn Prozent Funktionalität in Ratt stecken. Würde alles rund laufen, könnten wir vermutlich alle sechs Monate eine Platte veröffentlichen.«

TEXT: DANIEL BÖHM |FOTO: ROCKS

Rundgelaufen ist für sie in den zwei satten Jahrzehnten, die Infestation von dem letzten wirklich relevanten Ratt-Album (Detonator) trennen, erschreckend wenig — die Zeit und das Leben hatten die immer mal wieder heillos zerstrittenen Nager weit auseinanderdriften lassen. Und doch hatten sie ausgesprochen gute und in enger Freundschaft durchlebte Jahre: In den späten Siebzigern in San Diego als Mickey Ratt gestartet, war das 1980 nach Los Angeles emigrierte Quintett um Sänger Stephen Pearcy und das gnadenlos gute Gitarrendoppel Robbin Crosby und Warren DeMartini von Anfang an mittendrin im Epizentrum des Blüten treibenden US-Hardrock, in dem es mit einem ungewöhnlich metallischen Soundanstrich wichtige Akzente und prägende Impulse setzte.

Nicht nur Out Of The Cellar (1985), Invasion Of Your Privacy (1985) und Dancing Undercover (1986) sind üppig beladen mit epochemachenden Gitarren-Riffs (›Lay It Down‹, ›Round And Round‹, ›Body Talk‹ oder ›Shame Shame Shame‹) und enormer Solo-Arbeit. Am 6. Juni 2002 starb Crosby an einer Überdosis Heroin — acht Jahre später rauften sich Ratt mit dem einst mit Quiet Riot zu Ruhm gekommenen Gitarristen Carlos Cavazo und dem Bassisten Robbie Crane zu einem Comeback auf, das in dieser Güteklasse nicht zu erwarten war.



Infestation ist in Songs, Riffs, Sound und Esprit die vollendete Antithese eines bemüht konstruierten Aufbäumungsversuchs, den es im US-Hardrock immer wieder durchzustehen gilt und erweitert das von Ratt bis 1990 aufgebaute Klassiker-Kabinett um ein weiteres Exponat, über das viel zu selten gefachsimpelt wird. ›A Little Too Much‹? ›Eat Me Up Alive‹? ›Last Call‹? ›Best Of Me‹? Besser wurde Hair Metal nie mehr. 


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