Bad Company

Bad Company

Rhino
VÖ: 2015

Aus dem Stand zum Klassiker

Sie alle hatten sich nach Kräften bemüht, ihre Band und vor allem ihren Gitarristen Paul Kossoff vor dem Untergang zu bewahren. Doch die bitteren Erfahrungen, die Free im Zuge der Entstehung ihrer letzten Alben Free At Last und Heartbreaker machen mussten, wurden zum Sargnagel für beide. Paul Rodgers hatte schon länger mit dem Gedanken gespielt, gemeinsam mit Mick Ralphs von Mott The Hoople eine neue Band zu gründen — nur wenige Monate nach dem letzten Free-Konzert in Florida macht er 1973 Ernst. Schlagzeuger Simon Kirke nimmt er gleich mit, als Bassisten gewinnen sie Boz Burrell von King Crimson.

Manager Peter Grant hat die Band gerade erst auf dem Zeppelin-Label Swan Song untergebracht, da scheucht er sie auch schon ins Studio: Wie schon bei Free ist Heavy-Blues die Grundlage der Musik von Bad Company, wenngleich hier alles etwas härter und melodisch zugänglicher tönt. Die kräftig durchgezogenen Power-Akkorde in ›Can’t Get Enough‹ sind weltbekannt und schieben einen Rock-Klassiker allererster Güte an; und doch sind es vornehmlich andere Stücke, die magisch fesseln: ›Rock Steady‹ etwa. Oder die Bearbeitung der Mott-Nummer ›Ready For Love‹, die erst in dieser Version unsterblich wird. Und freilich der alles überragende Titelsong, den Paul Rodgers und Simon Kirke in nicht mal zehn Minuten geschrieben haben. Eine atemberaubend vollkommene LP, die Bad Company in den USA noch 1974 zu Superstars macht.

Zwölf Monate später erscheint mit Straight Shooter das kaum weniger große zweite Album. Der Einstieg mit dem Stadionrocker ›Good Lovin’ Gone Bad‹ gerät breitbeinig wie frontal, doch Bad Company spielen ihren Hardrock auch weiterhin ökonomisch und mit Raum für Dynamik. Mick Ralphs’ Spiel ist von herrlichem Understatement durchflutet (›Deal With The Preacher‹) und Rodgers züngelnde Stimme vom Soul — eine tolle Kombination. Dem Zufall wird hier nichts überlassen: Straight Shooter ist eine enorm ausgefeilte Platte, von deren ganzer Vielfalt zwei übermächtige Lieder etwas ablenken: ›Feel Like Makin’ Love‹ und ›Shooting Star‹ werden aus dem Stand heraus unsterbliche Klassiker des Classic-Rock.

Den Neuausgaben wurde jeweils eine üppig bestückte Zusatz-CD mit durchgängig hörenswerten und richtig interessanten Demo-, Arbeits- und Alternativ-Versionen spendiert (ein paar B-Seiten wie das Free-Remake ›Easy On My Soul‹ sind auch darunter); Straight Shooter führt in ›See The Sunlight‹ und ›All Night Long‹ sogar zwei noch nicht veröffentlichte Studioaufnahmen. So macht Rock-Geschichte Spaß!

(9.5/10)
TEXT: DANIEL BÖHM

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