Seit ihrer Betriebsaufnahme im Jahr 1997 haben Umphrey’s McGee eine sehr eigene Form des Jam- und Progressive-Rock ausgebildet, die sie zu einem Schwergewicht der amerikanischen Live-Szene hat reifen lassen, das jeden vermeintlichen Stil-Widerspruch in seiner Musik auflöst. Der wonnige Retro-Prog von Transatlantic hat sich ebenso in ihrem Spiel- und Kompositionsstil niedergeschlagen wie Incubus, Rush, The Police, Steely Dan, Pink Floyd bis hin zu den Talking Heads, Tears For Fears und Splittern des modernen Progressive Metal. Das findet gerade bei einem vergleichsweise jungen und tanzfreudigen Publikum begeisterten Anklang, das nur darauf wartet, die Umphrey’s bei ihren Improvisationsreisen ins Trippig-Spacige abheben zu sehen: eine aufregende Qualität, die sie sich für ihr interaktives Spiel auf der Bühne vorbehalten, während ihre Alben meist sehr boden- und songverhaftet den Rahmen für derartige Exkurse bieten. Zuletzt erklärten sie auf Asking For A Friend (2022) eine beinahe irritierende Kompositionsstrenge zum Experiment, das zu dem zugänglichsten und poppigsten Album ihrer Karriere mutierte — keinesfalls aber zum besten (um diesen Titel zanken sich weiterhin Anchor Drops, Mantis, Similar Skin und der Doppelschlag It’s Not Us und It’s You).
Blueprints ist in vielerlei Hinsicht so etwas wie die Antithese zu Asking For A Friend und zudem interaktiv im Austausch mit ihrem Publikum entstanden. Immer wieder lassen Umphrey’s McGee im Internet über Setlisten und die besten Performances eines zurückliegenden Jahres abstimmen, aus den Ergebnissen den ultimativen Hall of Fame-Auftritt kompilieren und als Jahrbuch auf Tonträger pressen. Für Blueprints haben sie auf diesem Wege nach den besten Jam- und Instrumentalspielchen gefahndet — und aus diesen ursprünglichen Live-Momenten Songs modelliert, die im Ergebnis zum ersten Mal die Diskrepanz auflösen, die zwischen ihren Studio-Alben und den so beweglichen Konzerterlebnissen besteht. Die einzelnen Segmente, die jeweils zu einem neuen Album-Song zusammengeführt wurden, sind als durchnummerierte Legosteine gekennzeichnet, die sich mit jedem weiterem Hördurchgang fester ineinander drücken.
Wer Blueprints und die Welt dieser wunderbaren Band erforschen und entschlüsseln will, sollte sich die acht musikalisch schlüssig aneinander liegenden Legosteine von ›Unevolved (Lego 1)‹ bis ›Unevolved (Lego 8)‹ geben: ein Stück, das als groovige und Daft Punk-nahe Funk und R&B-Nummer startet, im weiteren Verlauf immer proggiger, härter und trippig wird und in einem zauberhaften Finale zusammenfindet. Danach geht’s gleich weiter mit ›Exit Signs (Lego 1)‹: Umphrey’s McGee bleiben eine der spannendsten und besten Erscheinungen, die der Jam- und Progressive-Rock zu bieten hat.








