Ihre Hardrock-Prog-Hybriden mit Groove, Soul und akribisch an den Beatles geschulten Gesangsharmonien ergaben in den späten Achtzigern alles andere als einen Allerweltssound, der King’s X bis in die Lager des Alternative- und Progressive-Rock hinein Anklang hat finden lassen. Nach Out Of The Silent Planet (1988) und Gretchen Goes To Nebraska (1989) erschien Faith Hope Love als Drittwerk der Texaner, auf dem sie sich erheblich zugänglicher gaben. Und dass, obwohl das Prog-Element ihrer Musik darauf weiter forcierten.
In den fabelhaften Trio-Arrangements hatte Ty Tabor vor allem als Gitarrenkünstler an Gewicht zugelegt; als Sänger übernahm er die erste Stimme in ›Mr. Wilson‹ und ›Legal Kill‹, einer hübschen Akustik-Nummer mit Spuren von Kansas und Yes. Auch in ›It’s Love‹ ist er in einem Meer von betörenden Harmoniechören als Leadsänger zu hören, das er mit fabelhaften Soli und rhythmisch komplexen Riffs durchpflügt: ein Dauerbrenner auf MTV und ihr größter Hit.
Steuermann der Gruppe aber war immer schon Doug Pinnick mit seiner Charakterstimme und dem tief-schnarrenden Mega-Bass, der gleich im Eröffnungsstück ›We Are Finding Who We Are‹ klarstellt, wie sehr er Sly Stone vergöttert. Die Produktion von Faith Hope Love strahlt eine organische Wärme ab, wie sie bei King’s X erst wieder auf Ear Candy (1996) spürbar werden wird. Toll ist auch die vielstimmig besungene ›The Moanjam‹ als heißblütige Psychedelic-Jam-Abfahrt mit gloriosen Soli, die in keiner Sekunde aus der Form gerät.








