John Mayer

Born And Raised

Sony
VÖ: 2012

Das Ende der Dunkelheit

Zuletzt schien sich John Mayer selbst nicht mehr so recht leiden zu können — und ruft man sich seine verbalen Auffälligkeiten in den US-Medien in Erinnerung, will einen das auch nicht verwundern. Auch sein letztes Album war Ausdruck dieser Sinnkrise. Wo der singende Ausnahmegitarrist zuvor mit faszinierendem Selbstverständnis R&B, Soul, Blues, Rock und modernen Pop lückenlos miteinander verknüpfte, siechte der in Amerika gefeierte Mainstream- und Mädchenschwarm auf Battle Studies (2010) in beliebigem Singer/Songwriter-Pop vor sich hin. Ließ sich Mayer bislang noch auf jedem Cover seiner Studiowerke ablichten, so ziert nun nüchterne Illustrationskunst im alten Stil den neuen LP-Deckel.

Die Musik zählt — nicht ihr Schöpfer. Der 34-Jährige singt immer wieder über das Loslassen und beschwört das Ende der Dunkelheit. Tatsächlich ist ihm nach Continuum (2007) sein zweites großes Meisterstück geglückt, auf dem der Musiker verblüffend uneitel und erwachsen wirkt: Gemeinsam mit einem Aufgebot von Stargästen wie David Crosby, Graham Nash und Chuck Leavell streift er nun als Bartträger durch Reiche, in denen Bob Dylan, Neil Young, Crosby, Stills & Nash, J.J. Cale und Grateful Dead als leidenschaftlich unaufgeregte Könige regieren.Rundum großartig — nicht zuletzt auch wegen der prachtvollen Zuarbeit von Don Was, der als Produzenten-Ass Born And Raised ein atemberaubend schönes Siebziger-Klangkonzept spendierte.

Keine Wertung
TEXT: DANIEL BÖHM

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