Blue Öyster Cult

50th Anniversary Live — First Night

Frontiers
VÖ: 2024

Kultiges Jubiläum

Ihr 50-jähriges Bestehen feierten die Hardrock-Veteranen im September 2022 in New York mit drei denkwürdigen Shows, bei denen sie jeweils eins ihrer ersten drei Studio-Alben in seiner Gesamtheit aufführten. Beim nun als audiovisuelle Nachlese vorliegenden ersten Auftritt war dies der Logik folgend Blue Öyster Cult, ein Album, das nicht ohne Grund einen besonderen Stellenwert im Schaffen der Combo aus Long Island einnimmt.

Ein amerikanischer Kritiker attestierte ihrem Debüt einst, es klänge wie Black Sabbath mit Hirn, wohl aufgrund des Riffs von ›Cities On Flame With Rock And Roll‹, das sich zweifellos an ›The Wizard‹ aus dem frühen Fundus der britischen Stahlschmiede anlehnt. Die morbide Gothic-Atmosphäre des einige Jahre später veröffentlichten Mega-Hits ›(Don’t Fear) The Reaper‹ hat dagegen in der Dunkel-Ballade ›Then Came The Last Days Of May‹ ihren Ursprung.

Zusammen mit speckigen Biker-Rock-Anklängen nach Steppenwolf-Art (›Transmaniacon MC‹), den Psychedelic-Einwürfen (›Screams‹) und den intelligent-surrealen Texten, die zum Teil von Manager Sandy Pearlman stammen, bildet das einen originellen und prima gealterten Sound, den der Kult mit viel Spielfreude zelebriert.

Bei ihren Feierlichkeiten steht in den singenden Gitarristen Eric Bloom und Donald „Buck Dharma“ Roeser sowie Gastmusiker Albert Bouchard immerhin die Hälfte der Originalbesetzung auf der Bühne. Gemeinsam mit den langjährigen Begleitern Richie Castellano (Gitarre, Keyboards), Danny Miranda (Bass) und Jules Radino (Drums) lässt sich das Sextett in ›Before The Kiss, A Redcap‹ zu lässigen Improvisationen hinreißen und feuert den kerzengeraden Rocker ›Stairway To The Stars‹ so unbekümmert von der Rampe wie in seinen Anfangstagen.

Nur klingt das heute erheblich besser. Das Mammutprogramm dieses Abends, das sich nun klanglich brillant und optisch in nervenschonend unaufgeregter Weise im heimischen Wohnzimmer genießen lässt, beinhaltet neben Hits wie ›Godzilla‹ oder ›(Don’t Fear) The Reaper‹ und Auszügen aus ihrem aktuellen Album The Symbol Remains auch Überraschungsmomente. So das epische ›The Vigil‹ vom 1979er Epos Mirrors, das Club Ninja-Highlight ›Dancin’ In The Ruins‹ oder ›Harvest Moon‹ vom 1998 erschienenen Heaven Forbid.

 

Keine Wertung
TEXT: MARKUS BARO

ROCKS PRÄSENTIERT

DAS AKTUELLE HEFT

Cover von ROCKS Nr. 101 (04/2024).