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Uriah Heep

Der laute Abschied des Hexenmeisters

Mit der The Magicians Farewell-Tour wollen Uriah Heep von ausgedehnten Tourneen Abschied nehmen. Ob der ungebremsten Spielfreude der britischen Rock-Malocher kann man sich einen solchen allerdings nur schwer vorstellen. Wir schauen zurück auf das Konzert in Frankfurt.

TEXT: MARKUS BARO |FOTO: André Wilms

Den ersten beißen bei einem Dreierpack meist die Hunde. Die Urgesteine Heavy Pettin aus Schottland müssen kurz nach Sieben vor beinahe leeren Rängen ran und bleiben in den nächsten 25 Minuten den Beweis ihrer Relevanz schuldig. Vom Semi-Hit ›In And Out Of Love‹ abgesehen, der an frühe Def Leppard erinnert, wirkt der Sound des fast vierzig Jahre lang inaktiven Fünfers hoffnungslos altbacken.

Noch etwas länger standen April Wine nicht mehr hierzulande auf der Bühne. Gut, dass der schmissige Sound der Band um Langzeitmitglied und Gitarrist Brian Greenway so zeitlos klingt, auch wenn die Charakterstimme des 2023 verstorbenen Sängers und Gründers Myles Goodwyn schmerzlich vermisst wird. Jede Menge feine Gassenhauer haben die Kanadier dennoch vorzuweisen, das Finale mit der Ballade ›Just Between You And Me‹, dem epischen ›Before The Dawn‹, ihrer Coverversion des Lorence Hud-Hits ›Sign Of The Gypsy Queen‹ und dem robusten ›Roller‹ schreit geradezu nach einem Headliner-Auftritt.



Einen solchen wird es von den britischen Rock-Urvätern an gleicher Stelle wohl nicht mehr geben, glaubt man dem Motto dieser Tour, The Magician’s Farewell, mit der die Briten von ausgedehnten Tourneen Abschied nehmen wollen. Den thematisieren jedoch weder Sänger Bernie Shaw noch Gitarrist Mick Box im Laufe des Abends. Und bei der ungebremsten Spielfreude, die das von Keyboarder Phil Lanzon, Bassist Davey Rimmer und Trommler Russell Gilbrook vervollständigte Quintett während seines Auftritts an den Tag legt, kann man sich einen solchen nur schwer vorstellen. Die Rock-Welt wäre definitiv eine ärmere ohne die langlebigen Rock-Malocher, die mit dem launigen ›Grazed By Heaven‹, vom 2018 erschienenen Album Living The Dream druckvoll in ihr 90-minütiges Programm starten.

Mit dem selten gespielten ›Shadows Of Grief‹ führen Uriah Heep ins Jahr 1971 (Look At Yourself). Der Song sei ein gutes Beispiel für die progressive Ader der Band, flüstert Shaw hinter vorgehaltener Hand, als sei ihm dieser Ausdruck peinlich. Dabei sind epische und fantasievolle Stücke lange ein wichtiger Bestandteil ihres Sounds gewesen. Auch der live lange unberücksichtigt gebliebene Titelsong ihres 1972 veröffentlichten Albums The Magician’s Birthday ist ein edles und ungewohnt filigranes Stück Progressive Rock und wird um ein simultanes Gitarren- und Schlagzeug-Solo erweitert — eine Kombination, die man in dieser Art auch noch nicht oft gehört hat. Dagegen tönt ›Gypsy‹, erster Song ihres LP-Debüts Very ‘eavy, very ‘umble, so subtil wie eine Panzerfaust. Lange genug hat das Lied für allerlei Häme unter der schreibenden Zunft gesorgt, was den dauergrinsenden Mick Box nie gekümmert hat. Hymnen wie ›Stealin‘‹, das epische ›July Morning‹ oder das treibende ›Easy Livin‘‹ waren nie dazu gedacht, Kritiker zufriedenzustellen, sondern das Publikum mitzureißen, und das tun sie auch heute in der fast ausverkauften Jahrhunderthalle. Am Ende stürmen ihre Anhänger gen Bühne, um das unverwüstliche ›Lady In Black‹ gemeinsam mit ihren Helden zu zelebrieren. Ein schönes Bild und ein maximal berührender Abschluss einer schier unermüdlichen Live-Präsenz.

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