Vielversprechender als Slayer hätte eine Band einer sich gerade etablierenden Subkultur kaum in ihre Karriere starten können: Ihr Debüt Show No Mercy (1983) wird innerhalb kürzester Zeit zum bis dato bestverkauften Album ihres Labels. Firmenchef Brian Slagel zögert nicht lange und schickt die Burschen aus Kalifornien bereits im folgenden Jahr wieder ins Studio, um die EP Haunting The Chapel einzuspielen. Dort lernt Schlagzeuger Dave Lombardo Gene Hoglan kennen, der ihn mit der Double-Bass vertraut macht. Nicht die einzige signifikante Neuerung, die ihr Zweitwerk Hell Awaits charakterisiert: Die beiden Gitarristen und Hauptkomponisten Kerry King und Jeff Hanneman sind zu jener Zeit zutiefst fasziniert von Melissa, dem Debütalbum der Dänen Mercyful Fate. Das Ergebnis sind wendungsreiche, ausnahmslos über vier Minuten lange Songs, die man nach dem vornehmlich auf Geschwindigkeit und Aggressivität getrimmten Debüt nicht erwartet hätte.
Der eröffnende Titeltrack durchläuft gleich mehrere, mit Hörspielelementen angereicherte Metamorphosen, bevor er nach drei Minuten zu seiner finalen Hochgeschwindigkeits-Inkarnation findet; das unfassbar böse ›At Dawn They Sleep‹ zeigt sich indes als Prototyp jenes aus dem Midtempo emporsteigenden Songtypus, den sie spätestens mit ›South Of Heaven‹ perfektionieren sollten. »Hell Awaits ist das Album, mit dem Slayer zu Slayer wurden«, befindet King in der Retrospektive. Eine treffende Analyse. Die drei folgenden Göttergaben Reign In Blood (1986), South Of Heaven (1988) und Seasons In The Abyss (1990) bauen auf den Anlagen des Zweitwerks auf, die sie mit tatkräftiger Hilfe von Produzent Rick Rubin nicht nur in ein aufgeräumteres Soundbild fassen, sondern auch um packendes Melodieverständnis erweitern, ohne Brutalität einzubüßen.
Für die streng genommen ein Jahr zu spät erscheinende Jubiläums-Edition wurde das Original-Album behutsam remastert; als Dreingabe ist die komplette Aufnahme ihres Konzerts vom 18. Juni 1985 in der Bochumer Zeche enthalten. Der solide, wenn auch etwas verwaschen klingende Soundboard-Mitschnitt beinhaltet alle Songs von Haunting The Chapel und Hell Awaits sowie ›Aggressive Perfector‹, das die Band 1983 für den Sampler Metal Massacre Vol. III aufgenommen hatte, und sieben der zehn Nummern von Show No Mercy — vorgetragen mit jugendlichem Elan, einschließlich der nicht erst aus heutiger Sicht geschmacklosen Ansage zu ›Necrophiliac‹, die dem gläubigen Katholiken Tom Araya jetzt wohl nicht mehr über die Lippen kommen würde.
Album: 8,5








