Die Protagonisten hielten, was ihre Beteiligung versprach: Brian Robertson, eine Hälfte des ursprünglichen Thin Lizzy-Gitarren-Doppels, und Jimmy Bain, Bassist der Rising-Besetzung von Rainbow, teilten sich in den Siebzigern neben einem Apartment in London auch Drogen, Alkohol und Groupies. Die kurze Phase ihrer gemeinsamen Band verläuft von Anfang an chaotisch. Noch während der von den späteren UFO-Musikern Neil Carter (Gitarre, Keyboards) und Clive Edwards (Schlagzeug) komplettierte Vierer sein gemeinsames Debüt vollendet, kehrt Robertson für das Album Bad Reputation und eine Tour zu Thin Lizzy zurück. Neben dem auch in anderen Belangen unberechenbaren Verhalten der beiden Musiker mit ein Grund, warum namhafte Produzenten dankend abwinken. Einzig der spätere Yes-Gitarrist Trevor Rabin habe die Geduld aufgebracht, mit ihnen zu arbeiten, räumte Robertson in einem Moment der Klarheit einmal ein. Wild Horses ist ein recht frisch gebliebenes Rock-Album, das in Liedern wie ›No Strings Attached‹, ›Blackmail‹ oder dem mit Phil Lynott entstandenen ›Flyaway‹ wie der Beteiligung von Scott Gorham als Co-Autor von ›Dealer‹ an eine feine Kreuzung aus UFO und Thin Lizzy erinnert. Mit Gary Moore als Gitarrist bei den hier enthaltenen Demos zu ›Face Down‹ und ›Blackmail‹ ist eine weitere Verbindung zur dünnen Liesel offengelegt. Schade daher, dass der schwache Leadgesang, den sich Bain und Robertson teilen, viel Potenzial ungenutzt lässt. Auch auf einen gemeinsamen musikalischen Kurs können sich die Protagonisten nicht einigen, mit dem Ergebnis, dass Bain seinen Partner von Studio-Sessions vorsätzlich ausschließt, worunter wohl ihr Verhältnis, nicht aber die Qualität ihres zweiten Albums leidet.
Mit Gitarrist John Lockton, der den abgewanderten Carter ersetzt, gelingt auf Stand Your Ground (1981) der Spagat zwischen dreckigem Hardrock und melodiösen Liedern fast noch müheloser, doch aufgrund ihrer mangelnden Kooperationsbereitschaft verliert ihre Plattenfirma bald das Interesse. Nach der Auflösung der Band folgen Robertsons kurzes Motörhead-Intermezzo, das in Another Perfect Day gipfelt und ebenso wenig fruchtbare Kollaborationen mit dem schottischen Sänger Frankie Miller und Statetrooper, der Gruppe des MSG-Vokalisten Gary Barden, während sich Bain der just gegründeten Solo-Truppe seines ehemaligen Rainbow-Kollegen Ronnie James Dio anschließt. Standing Our Ground enthält nicht nur transparente Remixe ihrer beiden Platten, sondern taucht auf sechs CDs mit zusätzlichen Demos, Single-B-Seiten und Outtakes tief in die turbulente Geschichte der kurzlebigen Band ein. Den Ruf als urige Live-Truppe, die auf der Bühne mehr zustande brachte als im Studio, rechtfertigt vor allem ein 1980 in Tokyo entstandener Live-Mitschnitt, der durch seinen rauen Charme gefällt.
Wild Horses: 8
Standing Our Ground: 8,5







