Spooky Tooth

Gary Wright (1943-2023)

Gary Wright machte sich sowohl als Solokünstler als auch als Frontmann von Spooky Tooth einen Namen. Nun ist er im Alter von  80 Jahren verstorben.

TEXT: MAXIMILIAN BLOM |FOTO: Screenshot

Geboren wurde Gary Malcolm Wright 1943 in Cresskill im US-Bundesstaat New Jersey — für seinen Durchbruch als Musiker musste er aber erst nach London ziehen. Schon als Kind war er Schauspieler, sowohl im Fernsehen als auch auf dem Broadway, wo er an der Seite von Florence Henderson (Drei Mädchen und drei Jungen) in der Rolle der titelgebenden Figur deren Sohn spielte.

Bereits zu Schulzeiten lernte er Klavier und Orgel und spielte in diversen lokalen Bands; als Teil des Duos Gary & Billy spielte er 1959 seine erste Single ›Working After School‹ ein.

Trotz des frühen Einstieges in die künstlerische Laufbahn entschied er sich kurze Zeit später für eine Psychologen-Laufbahn, für die er unter anderem an der Freien Universität Berlin studierte. 1967 zog es ihn dann aber doch zurück auf die Bühne.



Folgenreich für ihn wurde die Bekanntschaft mit Island Records-Gründer Chris Blackwell: Dieser lud ihn nach London ein und stellte ihm den singenden Pianisten Mike Harrison und Schlagzeuger Mike Kellie vor, in dessen Formation Art er einstieg. Kurze Zeit später benannte sich die Band in Spooky Tooth um, die als Brückenbauer zwischen den Psychedelic-Ausläufern der späten Sechziger dem harten Schwergewichts-Rock des Folgejahrzehnts Geschichte schrieben.

Orgelgetrieben und mit schweren Gitarrensalven, Gospelchören und Bluesrockanleihen ausgestattet, geriet Spooky Two (1969) zu ihrem Magnus Opus — und die Soul-Nummer ›Evil Woman‹ in der monumentalen Heavy-Fassung von Spooky Tooth zum Klassiker. Aktiv waren Spooky Tooth in ihrer Urphase zwischen 1967 und 1970 sowie zwischen 1972 und 1974.

Einen Skandal verursachte jedoch eine andere Nummer des Albums, wenn auch nicht in der Originalfassung: Judas Priest coverten das von Wright komponierte ›Better By You, Better Than Me‹ für ihr Album Killing Machine (1978), das zwölf Jahre später zum Gegenstand einer Gerichtsverhandlung wurde. Unterschwellige Botschaften sollen zwei Jugendliche 1985 dazu verleitet haben, Suizid zu begehen. Die Band wird schlussendlich aber freigesprochen.



Zwischen den Phasen mit der Band machte sich Wright auch als Solokünstler einen Namen und überflügelte spätestens mit seinem dritten Album The Dream Weaver (1975) seine damals ehemalige Band auch kommerziell. Daneben war er auch immer wieder als Sessionmusiker aktiv, am prominentesten auf George Harrisons bahnbrechenden Dreifach-Album All Things Must Pass (1970). Eine weitere Verbindung zu den Beatles ergab sich im neuen Jahrtausend, als er mit Ringo Starrs All Starr Band tourte.

Neben diversen Solowerken unterschiedlicher musikalischer Coleur, von denen Connected (2010) das letzte bleiben sollte, schrieb er Musik für Filme, nahm sich aber auch immer wieder ausgiebige Auszeiten. Und immer wieder Spooky Tooth: Gleich dreimal war er an Neuformationen der Band beteiligt, zuletzt von 2008 bis 2009.

In den letzten Jahren laborierte er an Demenz und Parkinson. Am 4. September starb er in seinem Haus im kalifornischen Palos Verdes Estates. Gary Wright wurde 80 Jahre alt.


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