Roxanne

Stereo Typical

Ratpak
VÖ: 2023

Das Herz singt mit

Dass sich Bands nach jahrzehntelanger Funkstille im Alter noch einmal aufraffen und sich in neue Abenteuer stürzen, ist nicht ungewöhnlich. Wie sehr sich die Beweggründe in der Qualität der Musik widerspiegeln und es eben doch einen Unterschied macht, ob kurzfristiges Industriegeld lockte oder eine Band auf organischem Wege wieder zusammen- und in ein Aufnahmestudio fand, weil der Spaß am Musikmachen zu neuen Liedern führte, lässt sich anschaulich am Beispiel Roxanne ablesen. Die Band veröffentlichte ihr einziges Album Ende der Achtziger und kam erst 2018 wieder zusammen.

Auf Radio Silence klangen die Kalifornier zwar durchaus verändert, in der neuen Bodenständigkeit aber geradezu bestechend gut: Astreine Power-Pop-Qualitäten mischten sich in ihren handgemachten Hardrock, der durchaus verwandtschaftliche Züge zu den wunderbaren Wayward Sons offenbart, insgesamt aber beinahe danach tönt, als hätten die neueren Night Ranger Gruppen wie Thin Lizzy, Extreme und Queen gleichzeitig übernommen.

Stereo Typical macht genauso weiter. Entstanden ist ein beseeltes Hard- und Classic-Rock-Album kalifornischer Prägung, das nicht nur in ›Gotta Live‹ ordentlich groovt. Vor allem Queen-Splitter sind zu einem festen Soundbestandteil von Roxanne verwachsen, die in dem von wonnigen Bombast-Chören getragenen ›Looks Like Rain‹ besonders gefallen — das fantastische Brian May-Mimikri-Solo ist ein schelmischer Gastbeitrag von Paul Gilbert (Mr. Big). ›The Cost Of Living‹ und das Titelstück bringen zusätzlich und in herzerwärmender Manier die Blech-Liesel ins Spiel, toll gelungen ist dies auch in ›Until They Do‹.

(8/10)
TEXT: DANIEL BÖHM

ROCKS PRÄSENTIERT

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Cover von ROCKS Nr. 99 (02/2024).