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Helloween

Fulminante Kürbis-Party

Aufgrund der großen Nachfrage — vermutlich nicht nur wegen des Amüsements, Helloween an Halloween gesehen zu haben — spielt die siebenköpfige Kürbis-Brigade Ende Oktober gleich zwei Konzerte im Bochumer Ruhrcongress. Anders als der zuerst angekündigte Auftritt am 31. Oktober ist der Gig am Vortag zwar nicht ausverkauft, gleichwohl aber auch gut besucht.

TEXT: MAXIMILIAN BLOM |FOTO: Masayuki Noda

Aufgrund der großen Nachfrage — vermutlich nicht nur wegen des Amüsements, Helloween an Halloween gesehen zu haben — spielt die siebenköpfige Kürbis-Brigade Ende Oktober gleich zwei Konzerte im Bochumer Ruhrcongress. Anders als der zuerst angekündigte Auftritt am 31. Oktober ist der Gig am Vortag zwar nicht ausverkauft, gleichwohl aber auch gut besucht.

Die Anwesenden müssen zunächst den Auftritt der als „Special Guest“ angekündigten Beast In Black ertragen. Im Kern präsentieren die Finnen, deren Gitarrist Kasperi Heikkinen auf der laufenden Tour durch den früheren Children Of Bodom-Musiker Daniel Freyberg ersetzt wurde, Pop-Musik mit E-Gitarren. Ihre auf maximale Eingängigkeit getrimmten Songs mögen im Studio-Kontext überzeugen, auf der Bühne ist es eine Zumutung: Der Gesamtsound kreischt und zerrt, einzelne Instrumente sind im Mix ebenso wenig auszumachen wie zu eruieren ist, welche tatsächlich live gespielt werden und welche vom Band kommen. Tiefpunkt ist ›Enter The Behelit‹, bei dem eine offensichtlich eingespielte, zweite Schlagzeugspur dem emsig Stocktricks präsentierenden Atte Palokangas jede Notwendigkeit nimmt, sein Instrument zwischen den Showeinlagen präzise zu bearbeiten. Furchtbar!

Der Hauptact entschädigt sodann mit einer 140-minütigen Show. Nicht zuletzt weil Helloween ihr Programm mit einigen echten Überraschungen garnieren: ›Hey Lord!‹ (Better Than Raw, 2003) steht etwa erstmals seit über zwanzig Jahren wieder in der Setliste, ›We Burn‹ brachte die Band zuletzt 2016 auf die Bühne — bei ihrem letzten Konzert vor der Vergrößerung. Gleich an zweiter Stelle präsentieren sie außerdem das Keeper Of The Seven Keys – The Legacy-Langstück ›The King For A 1000 Years‹, das die Frontmänner Andi Deris und Michael Kiske als Duett zum Besten geben. Wirkte die Interaktion der beiden, besonders in den Ansagen, auf den letzten zwei Tourneen zuweilen aufgesetzt und plakativ kumpelig, haben sie mittlerweile vollumfänglich zu einem natürlichen und ausgesprochen amüsanten Umgang miteinander gefunden. Wie sie sich etwa im angesprochenen Stück oder in ›Helloween‹ die Gesangslinien förmlich zuwerfen, ist ebenso eine Freude wie ihre kurzen Ansagen-Pläusche.

Den Zwischenteil, den die beiden Sänger im Alleingang und nur mit Akustikgitarre bestreiten, erklären sie im launigen Zwiegespräch mit den starken Rauchern in der Band, die eine kurze Zigarettenpause bräuchten. Hier präsentiert Kiske dann auch die vermutlich größte Überraschung des Abends: Nachdem die zwei eine eindringliche Version des erstmals seit 29 Jahren wieder dargebotenen ›In The Middle Of A Heartbeat‹ (Master Of The Rings, 1994) beendet haben, stimmt er grinsend das Intro von Pink Bubbles Go Ape (1991) an — dessen Titelzeile vom Publikum mit gleicher Miene gerufen wird.

Selbstverständlich lebt die heutige Show nicht nur von alten Kamellen und den beiden Sängern. Helloween unterstreichen, welch schlagkräftiges und gnadenlos effektives Kollektiv sie mittlerweile darstellen und dass auch ihre neuen Songs live bestehen können. Jeder der drei Gitarristen erhält für seine Soli die notwendige Zeit im Rampenlicht — was im Gesamtsound allerdings auf Kosten des wie gewohnt mitreißend spielenden Bassisten Markus Großkopf geht. Und auch wenn die erste Single ›This Is Tokyo‹, möglicherweise bedingt durch die Platzierung nach dem Stimmungsgaranten ›Future World‹, noch etwas verhalten aufgenommen wird, sorgt besonders die zweite Auskopplung von Giants & Monsters, die formidable Gerstner-Nummer ›Universe (Gravity For Hearts)‹, für Begeisterung. Dass sie heute, anders als am Folgetag an gleicher Stelle, ›If I Could Fly‹ dem neuen ›A Little Is A Little Too Much‹ vorziehen, liegt vermutlich an einer unvermeidlichen Tour-Seuche: Auch wenn man es ihm nur in einzelnen Momenten anmerkt, scheint Michael Kiske mit einer Erkältung zu kämpfen.

Zum großen Finale setzen Helloween, zumindest zu drei Vierteln, auf die Macht der Keeper Of The Seven Keys, Pt.2-Klassiker: ›Power‹ (The Time Of The Oath, 1996) wird flankiert von ›Eagle Fly Free‹ und ›Dr. Stein‹, bevor der Schlussteil von ›Keeper Of The Seven Keys‹ dieses bis in die Hintergrund-Animationen hinein überzeugende Konzert beendet.


Setliste Helloween:

March Of Time
The King For A 1000 Years
Future World
This Is Tokyo
We Burn
Twilight Of The Gods
Ride The Sky
Into The Sun
Hey Lord!
Universe (Gravity For Hearts)
Hell Was Made In Heaven
Schlagzeug-Solo
I Want Out
In The Middle Of A Heartbeat (Akustisch)
Pink Bubbles Go Ape (Akustisch)
A Tale That Wasn't Right
If I Could Fly
Heavy Metal (Is The Law)
Halloween

Eagle Fly Free
Power
Dr. Stein
Keeper Of The Seven Keys (nur letzter Refrain und Schluss)

 

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