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Tesla

Shock

Universal
VÖ: 2019

Identitätskrise mit lichten Momenten

Wer schon das sonnige ›Save That Goodness‹ als zu abseitig empfand, das Tesla vor drei Jahren Mechanical Resonance Live als neuen Studio-Song angefügt hatten, ist hier fertig mit dem Lesen: Dieses erste Dokument der Songwriting- und Produktionspartnerschaft mit Phil Collen ist nicht ansatzweise so extrem wie das, was einem die Traditions-Hardrocker aus Sacramento auf ihrem neuen Studiowerk entgegenblasen. Shock ist der formvollendete Gegenentwurf dessen, was zuletzt Simplicity so reizvoll, allerdings auch angreifbar machte: Das knorrige, Unvollkommene, zuweilen Brüchige dieser beseelten Platte von 2014 hat fünf Jahre später der totalen Produktions-Perfektion Platz gemacht, an die man sich genauso gewöhnen muss wie an den immensen Einfluss, den der Gitarrist von Def Leppard als Komponist und Produzent auf Shock genommen hat. Und doch ist aus diesem Experiment ein ausgesprochen unterhaltsames Hardrock-Album entstanden, das die meisten der liebgewonnen Qualitäten dieser erhabenen Szene-Veteranen in sich trägt — und mutig mit ihnen spielt. Der Opener ›You Won’t Take Me Alive‹ ist ein für Tesla ungewöhnlicher Happy-Song zwischen ›We’re An American Band‹, Aerosmith, Def Leppard. In ›Taste Like‹ hat man einen Augenblick lang das Gefühl, gleich ›Up All Night‹ von Slaughter zu hören zu bekommen — ehe Tesla effektiv die Refrain-Chöre von Def Leppard in sich aufnehmen. Der Titelsong erinnert ein wenig an den Bandableger Bar 7 und auch die Umarbeitung von Frank Hannons alter Solo-Nummer ›Love Is A Fire‹ gehört zu den Highlights dieser Platte. ›The Mission‹ ist ein urtypischer Tesla-Rocker mit den geliebten Wuchtgitarren, aus der sich Collen auffällig zurückgehalten hat. Richtig daneben langen die Amerikaner lediglich im strunz-öden ›Tied To The Tracks‹ und in der unsäglich Streicherballade ›Forever Loving You‹, die man in dieser Kitschdimension eher auf einem der nach Pump erschienenen LPs von Aerosmith vermuten würde. Shock ist anders, durchaus gewagt und insgesamt eine der schwächsten Tesla-Scheiben. Aber: sie unterhält!

(8/10)
TEXT: DANIEL BÖHM

ROCKS PRÄSENTIERT

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