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Yes

Aurora

InsideOut
VÖ: 2026

Viel Schatten unterm Polarlicht

Im Spätherbst ihrer Karriere mit jahrzehntelang endlos wechselnden Besetzungen zeigen sich die britischen Prog-Urväter erstaunlich stabil. Nach den durchwachsenen Werken The Quest (2021) und Mirror To The Sky (2023) ist Aurora nun schon das dritte Album in Folge mit einem beständigen Line-up, zieht man in Betracht, dass sich Jay Schellen und der 2022 verstorbene Alan White auf The Quest die Trommel- und Percussion-Arbeit geteilt hatten. Die Unberechenbarkeit ihrer früheren Meisterstreiche ist einem gepflegten Prog-light-Ansatz gewichen, dem Überraschungen weitgehend abgehen. Gitarrist Steve Howe und Keyboarder Geoff Downes sind die Hüter eines Klanguniversums, das jedweden Innovationsansatz im Keim erstickt, wenngleich Howe eine weiterhin ungebrochene Experimentierlust zu bescheinigen ist und eine Weigerung, einen einmal etablierten Sound bedingungslos zu verwalten. Zu oft bleibt es aber beim Versuch.

Mit dezent verzerrten Gitarren hätte sich ›All Hands On Deck‹ gut auf Bassist Billy Sherwoods Solo-Projekt Citizen gemacht, das Orchester-Intro des (ansonsten fabelhaften) Titelsongs klingt mehr nach Disney-Soundkulisse als nach Progressive-Rock. Mit seinen glasklar perlenden Gitarren und schöner Orgel verweist ›Turnaround Situation‹ auf ihren eigenen Klassiker Tormato, in ›Ariadne‹ ist eine durchaus schlüssige Verschmelzung von Rock und Klassik gelungen, doch das allein wird ihrem Ruf als Wegbereiter des Prog-Rock kaum gerecht. Es mag ungerecht erscheinen, einzelne Musiker für das erneute Scheitern verantwortlich zu machen, doch Sherwoods ›Countermovement‹ mangelt es an spannungsfördernden Elementen; es ist trotz Überlänge meilenweit davon entfernt, sich in die Ruhmeshalle der großen Yes-Epen einzureihen. Die Beiträge von Sänger Jon Davison, so die Ballade ›Love Lies Dreaming‹, wirken extrem beliebig, um nicht zu sagen langweilig, und lassen das Fehlen von Original-Frontmann Jon Anderson umso schmerzhafter erscheinen. Dass die Kritiker seit The Quest beinahe kollektiv die Messer wetzen, beeindruckt die Band allerdings wenig. Sie verfolgt auch auf ihrem 24. Album konsequent ihre unterm Strich unspektakuläre Marschroute.

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(6.5/10)
TEXT: MARKUS BARO

ROCKS PRÄSENTIERT

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