Philipp Fankhauser

Heebie Jeebies – The Early Songs Of Johnny Copeland

Funk House Blues Productions
VÖ: 2022

Feinstes Kunsthandwerk

Johnny „Clyde“ Copeland war einer der Giganten des Texas Blues: Der Vater von Blues-Sängerin Shemekia Copeland verstand es meisterlich, die erdigen Traditionen des Genres mit der Komplexität und Eleganz des Soul zu verbinden. So gelang es ihm in den Sechzigern, seine Karriere zu retten, als der Soul den Blues in den USA an den Rand drängte.

Und so gelang es ihm 1983 in Montreux den damals 19 Jahre alten Blues-Fan und Nachwuchsmusiker Philipp Fankhauser so sehr in Bann zu schlagen, dass dieser seine damals noch nicht einmal richtig existente Blues-Karriere unter den Einfluss Copelands stellte. Fankhausers Blues versprüht heute eine ähnliche Eleganz und Tiefe wie Copelands Blues in den Sechzigern.

Dem zollt der Sänger und Gitarrist nun mit dem Album Heebie Jeebies Respekt, indem er sich ganz der frühen Soul-Musik Copelands widmet. Die ist es nicht nur wert, dass man sie interpretiert, sie verschafft Fankhauser und seiner brillanten Combo zudem die Möglichkeit, ein Album mit zwei Tagen Probenvorlauf quasi wie in der guten alten Zeit spontan und so live wie möglich aufzunehmen.

Die Schnodderstimme des Schweizers in der Ballade ›Love Prayer‹, der lässige Groove der Band, die etwa im flotten ›Well A Well A Baby‹ wunderbar retro und modern zugleich klingt, der luftige Sound dieser 13 spontanen Aufnahmen: Hier passt einfach alles zusammen. Kunsthandwerk im ganz engen Wortsinn.

(8.5/10)
TEXT: RALF DECKERT

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