Dank seiner Veröffentlichungen mit der Paul Butterfield Blues Band gilt Mike Bloomfield als der erste große Gitarrenheld Amerikas. Künstlerisch strebte er immer nach mehr: Er wollte eine Band, mit der er die musikkulturelle Vielfalt Amerikas abdecken konnte — und fand sie eine kurze Zeit lang in dem Oktett The Electric Flag, mit dem er ein aufpeitschendes Derivat aus Soul, Rhythm’n’Blues und Jazz entstehen ließ. Später tat sich Bloomfield mit Al Kooper (Bob Dylan, Blood Sweat & Tears) zusammen: In einer neunstündigen Marathon-Jam nahmen sie 1968 mit Musikern von The Electric Flag, The Mamas And The Papas und mit Stephen Stills die fulminante Super Session auf, die unerwartet zum Verkaufsschlager wurde.
Auch das nachgedrückte The Live Adventures Of Mike Bloomfield And Al Kooper (1969) ist ein Jam-Album, im Gegensatz zum Studio-Vorgänger entstand es aber live im Fillmore West. Fünf Tage lang hatte die Band für ihre drei Konzerte in San Francisco exzessiv geprobt, in denen der unter schweren Schlafstörungen leidende Bloomfield kein Auge zutat. Erst am dritten Konzertabend ließ er sich in eine Klinik zur Behandlung einweisen und wurde auf der Bühne von Steve Miller, Elvin Bishop und Carlos Santana vertreten. Während Millers Plattenfirma eine Verwendung der Aufnahmen unterband, sind die anderen zwei Gitarristen mit jeweils einem Beitrag auf The Live Adventures Of Mike Bloomfield And Al Kooper zu hören.
Und doch ist es Bloomfield, der ihnen in den eigentlichen Highlights klar die Show stiehlt: Seine Interpretationen von Simon And Garfunkels ›The 59th Street Bridge Song (Feelin’ Groovy)‹ ist genauso zwingend wie der jazzig-psychedelische Jam ›Her Holy Modal Highness‹, der Mega-Blues ›Don’t Throw Your Love On Me So Strong‹ (Albert King), ›Dear Mr. Fantasy‹ (Traffic), ›Green Onions‹ (Booker T. And The MGs) und das von loderndem Orgelfeuer angeheizte ›That’s All Right‹ von Arthur Crudup.







