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Erik Grönwall

Zwischen Fleetwood Mac und Slipknot

In den zwei Jahren seit seinem Ausstieg bei Skid Row hat sich Erik Grönwall auf die Suche nach seinem eigenen Stil und Sound gemacht. Das Ergebnis ist Bad Bones. Das erste echte Solo-Album des 38-jährigen Schweden bündelt alle Facetten seines bisherigen Schaffens.

TEXT: MARTIN RÖMPP |FOTO: PR

Mit seinem Sieg beim TV-Format Swedish Idol im Jahr 2009 beginnt für Erik Grönwall eine Laufbahn, die ihn zunächst als Frontmann von H.E.A.T prägt und später über Skid Row sowie zuletzt als Sänger für Michael Schenker auf internationale Bühnen führt. Dass er sich über Jahre hinweg vor allem innerhalb bereits etablierter Bandgefüge entwickelt hat, wird dem Sänger erst bewusst, als er frei von jeglicher Verpflichtungen Bilanz zieht.

»Zwischen Skid Row und meinem Engagement bei Michael Schenker wurde mir irgendwann klar, dass ich meine Karriere in Bands aufgebaut habe, die schon etwas dargestellt haben«, erläutert der Schwede. »Selbst H.E.A.T hatten vor mir schon zwei Alben draußen und ihren grundsätzlichen Sound gefunden. Skid Row sowieso und über Michael Schenkers Werk muss ich auch nichts sagen. Aber wer zum Teufel war eigentlich dieser Erik Grönwall? Das wollte ich herausfinden.«

Auf seiner Suche lässt sich der Sänger von Weggefährten unterstützen, denen er blind vertraut: Mit Keyboarder Jonas Thegel alias Jona Tee hat Grönwall nicht nur bei H.E.A.T zusammengearbeitet, sondern auch New Horizon und seinen erfolgreichen Youtube-Kanal aus der Taufe gehoben, während ihn mit Produzent und Songwriter Fredrik Thomander eine noch längere Geschichte verbindet.



»Ich habe ihn zu meiner Zeit bei Swedish Idol über Sony Music kennengelernt, die mich unter Vertrag hatten. Ich war jung und hatte keine Ahnung, was ich eigentlich machen wollte, und bekam eine Reihe alter Hasen an die Seite, die alles vorgegeben haben«, blickt Grönwall auf seine Anfänge zurück. Seinerzeit wird neben einem größtenteils aus Coverversionen bestehenden Album (Erik Grönwall, 2009) auch Somewhere Between A Rock And A Hard Place (2010) unter seinem Namen vermarktet. Mit Thomander entwickelt sich eine kreative Verbindung auf Augenhöhe: Auf Grönwalls H.E.A.T-Einstand Address The Nation zwei Jahre später ist der Veteran am Kracher ›Living On The Run‹ beteiligt und seither die erste Wahl, wenn der Sänger kreative Hilfe benötigt. »Fredrik weiß genau, was er tut, und hat enorm viel Erfahrung«, erklärt Grönwall, der bereits wenige Monate nach seiner letzten Show mit Skid Row im März 2024 nach Mallorca zu Thomander reist, wo dieser die Palma Music Studios aufgebaut und etabliert hat.

»Wir haben einfach angefangen zu schreiben und auszuprobieren, um den richtigen Sound für mich zu finden. Dabei ist mir irgendwann klargeworden, dass ich die Summe all dessen bin, was ich in meiner Karriere bisher gemacht habe und was mich beeinflusst hat. Im Kern war es immer Rock’n’Roll. Aber ich stehe auf harten, schweren Metal genauso wie auf den Classic Rock der Siebziger und die Balance zwischen Fleetwood Mac und Slipknot zu finden, war nicht leicht«, lacht der Sänger. »Also habe ich mich mit Fredrik und Jonas zusammengesetzt und Songs geschrieben. Viele wirklich schlechte, aber auch ein paar gute, die jetzt auf dem Album gelandet sind.«



Parallel dazu führt sein Weg auch zurück zu Philip Näslund. Der Gitarrist stand zuletzt neben Bruce Dickinson im Rampenlicht, seine Verbindung zu Grönwall reicht aber bis in die gemeinsame Schulzeit zurück. »Das war auf der weiterführenden Schule, als ich 16 oder 17 war. Wir waren ziemliche Rotzlöffel, haben uns aber zusammengerauft. Philip war quasi für meine metallische Erziehung zuständig und hat mir Pantera, Metallica und Slayer näher gebracht — aber auch Van Halen und Skid Row. Irgendwann bin ich sogar in seine Band eingestiegen, aber dann kamen uns unsere Egos in die Quere und er hat mich rausgeschmissen«, lacht Grönwall.

»Später ist er in die USA gezogen, um seinen Traum als Musiker zu verfolgen. Während meiner Leukämieerkrankung hat er mir aufbauende Nachrichten geschickt, so kamen wir wieder in Kontakt. Philip war dann auch der Erste, dem ich von dem Skid Row-Job erzählt habe — schließlich kannte ich die Band nur wegen ihm! Inzwischen ist er wieder nach Schweden zurückgezogen und wurde Gitarrist von Bruce Dickinson. Jetzt ist er auch in meiner Band: Ein großartiger Typ, total verlässlich und positiv, obwohl er sich jetzt mit zwei exzentrischen Sängern rumschlagen muss!«



Dabei ist Erik Grönwall keineswegs nur das extrovertierte Energiebündel, das die Öffentlichkeit von der Bühne kennt. Hinter den Kulissen bastelt der 38-Jährige schon lange akribisch an seiner Karriere, hat zudem eine Autobiografie veröffentlicht und steht nun mit seiner Musik auch wirtschaftlich auf eigenen Beinen. »Ich bin bei keinem Label mehr, das alles finanziert, sondern trage das komplette Risiko selbst«, erklärt er. »Ich habe mit Playground einen etablierten Vertriebspartner und mir Leute für die Werbung geholt. Es ist total spannend, weil mich diese Seite der Branche schon immer interessiert hat. Mir war es sehr wichtig, dass auf der Platte alles authentisch und organisch klingt — und dafür habe ich dann auch selbst das Geld freigegeben. Wenn ich bei ›Who’s The Winner‹, ›Hell & Back‹ und ›Written In The Scars‹ Orchester oder Streicher haben möchte, ließe sich das zwar mit dem Keyboard simulieren, aber für mich kamen nur echte klassische Musiker infrage, mit denen wir in Stockholm aufgenommen haben.«

Um seine Ideen umzusetzen, holte sich Erik Grönwall bewährte Größen ins Team, darunter Anders „Gary“ Wikström von Treat, dessen Handschrift vor allem beim knackigen ›Twisted Lullaby‹ sofort herauszuhören ist, und Ludvig Turner von Reach, der gemeinsam mit Jonas Thegel die dramatische Pop-Ballade ›Who’s The Winner‹ angeschoben hat. »Manche sagen, die Nummer klinge wie Queen in den Siebzigern, und Joey Tempest von Europe meinte, das Ding würde auch in ein Musical passen. Obwohl das Stück auf dem Album heraussticht, war es doch das erste Resultat, bei dem ich wusste, dass wir auf der richtigen Fährte sind«, erklärt Grönwall. Er fügt hinzu, dass ihm besonders die Texte auf Bad Bones immens wichtig seien, was nicht zuletzt das stark autobiografische ›Praying For A Miracle‹ unterstreicht. »Die letzten fünf Jahre waren extrem intensiv für mich, im Guten wie im Schlechten. Es gibt viel zu verarbeiten und eine Geschichte zu erzählen.«



Mehr zu Erik Grönwall u.a. in ►ROCKS Nr. 112 (03/2026) (auch ►digital erhältlich!)

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