Ohne Rick Derringer wäre die Welt um eine kapitale Rock-Hymne ärmer: ›Rock And Roll, Hoochie Koo‹ nahm er zunächst mit seiner alten Band The McCoys und Johnny Winter auf (Johnny Winter And), ehe er sich die Nummer drei Jahr später für sein eigenes Album All American Boy noch einmal selbst vornahm. Präsent war er eigentlich immer — meist allerdings im Hintergrund, wenn er nicht gerade mit Johnny oder Edgar Winter (They Only Come Out At Night) gemeinsame Sache machte. Das Gitarrensolo von Alice Coopers ›Under My Wheels‹ etwa stammt von ihm, auch das Klatschen in ›Whatever Gets You Through The Night‹ von John Lennon haben seine Hände zu verantworten.
Sämtliche Versuche, eine veritable Kariere unter seinem eigenen Namen anzuschieben, brach Richard Dean Zehringer 1975 einstweilig ab und versuchte es nochmal mit einer Hardrock-Band, die er Derringer taufte. Auf Sweet Evil, der zweiten und letzten Studio-Scheibe, wuchs der Vierer über sich hinaus. Die schmeichelnde Eröffnungsnummer ›Don’t Stop Loving Me‹ leiht sich die wuchtige Power-Akkordfolge von ›Baba O’Riley‹ (The Who).
Die übrigen Stücke folgen vornehmlich harten Riffs: ›Sittin’ By The Pool‹ und ›Keep On Makin’ Love‹ etwa klingen stark nach einer Fusion aus Led Zeppelin und Aerosmith — längst nicht der einzige Querverweis auf Steven Tyler & Co. zur Zeit von Rocks und Draw The Line. Der geheimnisvolle Titelsong beginnt wie ein unheimliches Schauder-Epos von Alice Cooper, nimmt dann aber furios Fahrt auf wie die frühen Judas Priest. Funky schließt die Platte mit ›I Didn’t Ask To Be Born‹, als hätte Pat Travers ein Lied mit den Luftschmitzen eingespielt. Einen Konzertmitschnitt später war das Band-Kapitel vorüber: Rick Derringer stürzte sich in die nächsten Solo-Abenteuer.







