Als arrivierte Siebziger-Gruppen wie Yes, Genesis und auch Pink Floyd Anfang der achtziger Jahre ihre progressiven Wurzeln verästeln und weit in den Pop hineintreiben ließen, drehten die Neuankömmlinge Marillion ihr fantasievoll-versponnenes Art-Rock-Kunstwerk Script For A Jester’s Tear (1983) mit opulenten Keyboard- und Gitarre-Flächen, verwinkelten Kompositionen und der weltklugen Hofnarren-Poesie ihres singenden Vordenkers Fish in genau die entgegengesetzte Richtung. Ein gewisses Maß an Sturheit ist dieser Band also nicht erst seit der Verpflichtung von Steve Hogarth zu eigen, der zum ersten Mal 1989 auf einer ihren Platten zu hören war — und mit dem die Neo-Progger einen signifikanten Wandel hin zu kürzeren Stücken und einer veränderten Klangästhetik ihrer Musik anschoben.
Nach dem genialen Düster-Konzept-Epos Brave (1994), das ohne allzu offensichtliche Querverweise auf ihre Vergangenheit und vor allem frei von nennenswerten Hit-Ambitionen die eigene Karriere schonungslos zu torpedieren schien, fanden die Briten dann zu einer melodisch zwingenderen und musikalisch robusteren Ausrichtung ihrer Stücke: Der Heavy-Rock-Riff im fantastischen Ausklang ›King‹ wäre auf dem Vorgänger undenkbar gewesen; insgesamt betört Afraid Of Sunlight (1995) als eine schwer greifbare Mischung aus Breitwand-Prog-Bombast, Alternative Rock und intelligent produziertem Art-Pop (›Gazpacho‹, ›Cannibal Surf Baby‹), der in ›Out Of This World‹ und ›Afraid Of Sunrise‹ ganz Enormes in sphärischer Tiefe und in unbeschreiblicher Schönheit bereithält.








