Appetite For Destruction war der formvollendete Gegenentwurf dessen, was die hochglanzpolierten Achtziger musikalisch wie gesellschaftlich vorbeteten — beißende Musik von gefährlichen Typen, denen man ihre barschen Texte über Drogen, Sex und Straßenkämpfe sofort abnahm. Vier Jahre später waren die Achtziger vorüber. Der eindrucksvolle Use Your Illusion-Doppelschlag führte Guns N’ Roses in Erfolgssphären, in denen die Luft schon mal knapper wird und markierte den Anfang vom einstweiligen Ende einer Band, die den Hardrock der frühen Neunziger geprägt hat wie kaum eine zweite.
Es folgte das Cover-Album The Spaghetti Incident (1993), aber Erfüllung brachte es Slash genauso wenig wie seine unzähligen Auftritte als Gastmusiker auf Platten unterschiedlicher Musiker wie Alice Cooper (Hey Stoopid), Michael Jackson (Dangerous), Ray Charles oder Paul Rodgers (Muddy Water Blues) oder Soundtrack-Späße wie der gemeinsam mit Michael Monroe entstandene Beitrag zu dem bizarren Coneheads-Blockbuster, dem sie eine feine Fassung von Steppenwolfs ›Magic Carpet Ride‹ spendierten.
Mit Slash’s Snakepit versuchte sich der Gitarrist mit Weggefährten wie Matt Sorum, Gilby Clarke und dem befreundeten Sänger Eric Dover (früher Gitarrist bei Jellyfish) eine musikalische Perspektive für eine Zukunft ohne Guns N’ Roses aufzubauen. Haltbar war das Line-up nicht — die Musik auf It’s Five O’Clock Somewhere hingegen schon: Auch heute funktioniert die simple, gelegentlich etwas grobkörnige Mischung aus Guns N’ Roses, Siebziger-Aerosmith und Tesla mit Southern-Rock-Esprit bestens. Fünf Jahre darauf erschien in Ain’t Life Grand das zweite und letzte Album von Slash’s Snakepit.
Neue Musiker brachten darauf einen wilderen Sound: Die Lieder griffen den Gestus von Appetite For Destruction offensiver auf als der Vorgänger, exzellente Soli, schepperndes Honky-Tonk-Piano und eine gelegentlich aufheulende Blues-Harp machen Laue. Die eigentliche Umsetzung der Platte aber erfolgte arg aufgeregt und durchgängig laut, dass wertvolle Dynamik nicht den Hauch einer Chance hat. Neu-Sänger Rod Jackson röhrt wie eine Mischung aus Paul Stanley und Ted Bullet von Thunderhead.







