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Great White

Psycho City (1992)

An die Absatzzahlen ihrer letzten beiden in den Achtzigern erschienenen Platten konnte Hooked nicht anknüpfen. Mit dessen Nachfolger setzten sie dann alles auf eine Karte: Psycho City ist das ambitionierteste Epos der kalifornischen Blues-Hardrocker.

TEXT: DANIEL BÖHM |FOTO: ROCKS

An die stolzen Absatzzahlen der letzten beiden in den Achtzigern erschienenen Hit- und Party-Platten konnte Hooked nicht anknüpfen. Zwar wurde das bockstarke Album für 500.000 verkaufte Exemplare schnell vergoldet, ihrer ganz andere Dimensionen gewöhnten Plattenfirma und speziell der neuen Geschäftsführung war das aber deutlich zu wenig: Der Band von Jack Russell drohte ein ähnliches Schicksal wie vielen anderen Vertretern des amerikanischen Hardrock der Achtziger, die zu Beginn des neuen Jahrzehnts aufs Abstellgleis geschoben und wenig zimperlich ausgemustert wurden.

Die Reaktion von Great White war genauso drastisch: Mit ihrem ambitioniertesten Opus setzten sie alles auf eine Karte. Keines ihrer Alben klingt ruppiger, abgeklärter und sleaziger (in ›I Want You‹ ließen sich sogar Spuren von Mother Love Bone finden). Über die Hälfte der Songs dauert sechs Minuten oder länger, das elegische Wunderwerk ›Love Is A Lie‹ bringt es gar auf acht.



Griffiges Radioformat tönt völlig anders, obwohl etwa ›Big Goodbye‹ immer noch das Zeug zur Hymne hat. Kolossal und unerreicht bleiben auch die episch-dramatischen Heavy-Blues-Hymnen ›Old Rose Motel‹ und ›Maybe Someday‹. Einfach großartig. Zumal auch Rick Brewster (The Angels) als Gast an der Slide-Gitarre verewigt ist.

Zwei Jahre später ließen Great White Sail Away folgen: Mit Ausnahme der beschwingten ›Momma Don’t Stop‹ und ›Livin’ In The USA‹ setzten die Kalifornier auf dem Höhepunkt der Grunge-Welle in kühner Verachtung der Situation auf balladeske, akustische Stücke voller emotionaler Tiefe. Das Titellied erhält durch Percussion und Sitar ein exotisches Flair. Bei ›Gone With The Wind‹ und der superben Interpretation von Tony Joe Whites ›If I Ever Saw A Good Thing‹ bläst Saxophonist Clarence Clemons von Bruce Springsteens E Street Band. Ein ungewöhnliches Album, auf dem Great White ordentlich Dickkopf zeigten.


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