Ihr schmökert gerne online auf ROCKS?

Das freut uns! Wir haben aber auch eine Bitte.

Dass dieser Teil von ROCKS bei euch ankommt, zeigen uns auch die beträchtlichen Zugriffszahlen, für die wir herzlich danke sagen. Jeder kann auf unser Unterhaltungsangebot zugreifen — Bezahlschranken gibt es keine.

Deshalb unsere Bitte: Unterstützt dieses Angebot freiwillig mit einem Beitrag.

Warum? Das sagen wir Euch auf dieser Seite.

Bruce Springsteen

Springsteen: Deliver Me From Nowhere

20th Century Studios
VÖ: 2025

Der Boss in der Sinnkrise

1981 befand sich Bruce Springsteen auf dem damaligen Höhepunkt seiner Karriere. Mit dem Doppelalbum The River (1980) hatte er erstmals die Spitze der US-Charts erklommen und eine ausgesprochen erfolgreiche Tour gespielt. Beim ausverkauften letzten Konzert dieser Rundreise setzt die Handlung des auf dem gleichnamigen Buch des Musikjournalisten Warren Zanes basierenden Spielfilms Deliver Me From Nowhere ein. Dieser begleitet den famos von Jeremy Allen White verkörperten Springsteen in jener tiefen Sinnkrise, aus der schlussendlich sein sechstes Album Nebraska (1982) hervorgehen wird.

Regisseur Scott Cooper legt den Fokus auf die Zerrissenheit des damals 31-Jährigen, zwischen Rockstartum und bodenständigem Bühnenarbeiter etwa. Was sich darin äußert, dass er aus der Einsamkeit seines Hauses in Colts Neck, wo er eigentlich an den Demos für sein neues Album arbeiten soll, immer wieder ausbricht und im Musikclub Stone Pony in Asbury Park bei Auftritten der Hausband (verkörpert von Rival Sons-Frontmann Jay Buchanan und den Greta Van Fleet-Brüdern Jake und Sam Kiszka) gastiert. Oder an der Liebelei, die sich dort zwischen ihm und der alleinerziehenden Kellnerin Faye Romano entspinnt: Sie dient der Verdeutlichung der von Springsteens Depressionen ausgelösten zwischenmenschlichen Spannungen, unter denen der Protagonist in dieser Zeit immer deutlicher zu leiden beginnt.

Den Grund dafür macht der Film vor allem im schwierigen Verhältnis zu seinem Vater aus. In monochromen Rückblenden werden Kindheits-Szenen in das Narrativ eingewoben; Douglas Springsteen (Stephen Graham) wird als emotional distanzierter, frustrierter Mann mit Hang zum Alkohol gezeigt. Die Wiederannäherung der beiden im Erwachsenenalter kulminiert im emotionalen Höhepunkt des ausgesprochen ergreifenden Streifens: Nach einem Konzert bittet Douglas seinen Sohn erstmals, auf seinem Schoß Platz zu nehmen.

Deliver Me From Nowhere ist mehr Charakterstudie denn tiefgehende Dokumentation der Entstehung von Nebraska. Gleichwohl gelingt es Regisseur Cooper dabei, auch die besondere Bedeutung des Akustik-Albums herauszuarbeiten — für Springsteen ganz persönlich wie auch für seine weitere Karriere.

Keine Wertung

ROCKS PRÄSENTIERT

DAS AKTUELLE HEFT

Cover von ROCKS Nr. 111 (02/2026).