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Motörhead

Kiss Of Death (20th Anniversary Edition)

BMG
VÖ: 2026

Frischer Wind, feurige Küsse

Der Start in die 2000er fällt holprig aus für Motörhead. Dem knackigen, mit einer ganzen Reihe Ohrwürmer aufwartenden We Are Motörhead (2000) folgt zwei Jahre später in Hammered eine Platte, auf der die Band kompositorisch wie klanglich keine allzu großen Sprünge mehr macht. Die Ideen und der Antrieb schwinden, der Dreier gibt sich routiniert, aber spannungsarm und schaltet zunehmend auf Autopilot. Die Entscheidung, mit Cameron Webb einen erfahrenen Produzenten ins Boot zu holen, der zuvor schon mit Combos wie Social Distortion und Monster Magnet im Studio gearbeitet hatte, erweist sich daher als goldrichtig. Der frische Wind, den diese Kooperation mit sich bringt, schiebt Inferno (2004) spürbar an und belebt auch das ursprünglich 2006 veröffentlichte Kiss Of Death.

Webb gelingt es, Lemmy Kilmister, Phil Campbell und Mikkey Dee während der Arbeiten in zwei kalifornischen Studios davon zu überzeugen, ihre Rock’n’Roll-Oden härter und moderner zu verpacken, ohne sich dadurch zu Sklaven des Zeitgeistes zu machen. Dieser Ansatz fruchtet in der Tat und geht auch nicht zu Lasten der Integrität Motörheads: Ruppige Stücke wie ›Sucker‹ und ›Going Down‹ stehen ebenso wie das zappelige ›Christine‹ in der liebgewonnenen stilistischen Tradition des Trios, bewegen sich aber in Sachen Härtegrad und Sound auf der Höhe der damaligen Zeit. Dass sich gegen Ende der 45-minütigen Scheibe ein, zwei schwächere Songs einschleichen, merzen Preziosen wie ›One Night Stand‹, ›Trigger‹ und das zartbesaitete ›God Was Never On Your Side‹ im Handumdrehen aus. Bei Letzterem greift neben Phil Campbell auch Poison-Gitarrist C.C. DeVille als Studio-Gast in die Saiten — eine sonderbar anmutende Liaison, die jedoch verblüffend gut funktioniert. Gemeinsam mit seinem direkten Vorgänger Inferno sollte Kiss Of Death die beste Motörhead-Scheibe des Jahrzehnts bleiben.

Als Dreingabe zum remasterten Album beinhaltet diese Neuauflage das ursprünglich auf 1916 (1990) stehende, 2006 mit Mikkey Dee am Schlagzeug neu eingespielte Stück ›R.A.M.O.N.E.S.‹ sowie eine Adaption des Metallica-Klassikers ›Whiplash‹ — beide waren bereits Bestandteil unterschiedlicher US- und Europa-Veröffentlichungen. Außerdem enthält das um Liner-Notes ergänzte Digipak eine zweite CD, die einen Auftritt aus dem Jahr 2007 beim niederländischen Lowlands-Festival abbildet. Ein packendes, klanglich gut eingefangenes Zeitdokument, auf dem sich das Trio in bestechender Form präsentiert.


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Album: 8

(8/10)

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