Seit gut dreißig Jahren gelten die von den Brüdern Neal und Alan Morse gegründeten Spock’s Beard als Paradebeispiel des gehaltvollen Neo-Prog, 2002 gelang ihnen in Snow ein echtes Referenzwerk. Danach verließ Neal Morse die Band, und die hinkte seither immer ein wenig ihrer Form hinterher, ohne je wirklich zu enttäuschen. Die klangliche Wärme, die Detailverliebtheit und das Melodiebewusstsein der Ära Neal Morse waren zumindest partiell auf The Oblivion Particle (2015) präsent. Das von Rich Mouser gewohnt ausgewogen produzierte The Archaeoptimist ist nun ihr erstes Lebenszeichen seit Noise Floor (2018) und geht mit einer Neujustierung ihrer musikalischen Zielsetzung einher. Es ist wohl vor allem Gitarrist Alan Morse und Weltklasse-Sänger Ted Leonard zu verdanken, dass Lieder wie ›Electric Monk‹, das mitreißende ›Afourthoughts‹ oder das vorab ausgekoppelte ›Invisible‹ wieder zu früherer Stärke finden. Hier stimmt einfach alles: die fein abgestimmten Gesangsharmonien, die verschachtelten, aber nie zu komplexen, Taktwechsel oder die vielschichtige Tastenarbeit. Das alles war freilich immer da, doch hier verdichten sich diese Elemente endlich wieder zu einem großen Ganzen, das im über zwanzigminütigen Titelsong in einem Epos gipfelt, das federleicht Kansas, Yes, die Beatles, die frühen Genesis und Pink Floyd zusammenbringt und die Führungsrolle der Band innerhalb des Genres eindrucksvoll untermauert.








