Vier Alben und eine EP hat der 28-jährige Dominic Richard Harrison als Yungblud seit 2018 veröffentlicht und sich damit auch in den deutschen Musik-Charts in immer höhere Regionen emporgearbeitet — Yungblud (2022) und das aktuelle Idols (2025) belegten hierzulande Rang 3 respektive 2. Mit seiner Musik pendelte der Brite stets zwischen modernem Pop, Post-Britpop und jugendlichem Rock mit großem Sentiment, ehe er zunehmend von der alten Garde entdeckt und ins Herz geschlossen wurde. Lenny Kravitz, Mick Jagger und Ozzy Osbourne, bei dessen Abschiedskonzert in Birmingham er gemeinsam unter anderem mit Nuno Benttencourt (Extreme) auf der Bühne stand und im großen Frontmann-Stil souverän ›Changes‹ intonierte, lassen und ließen kaum eine Gelegenheit aus, den Burschen ins Rampenlicht zu zerren. Womöglich haben am Ende alle etwas davon: die junge Generation einen Rock-Star und neue Berührungspunkte mit klassischem Hardrock — die alte dadurch wieder mehr Leben in der Hardrock-Bude. Yungbluds leicht kratzige Stimme, die in den Spitzen immer ein bisschen an eine Mischung aus Jocke Berg (Hardcore Superstar) und Jizzy Pearl (Love/Hate) erinnert, wäre hier gar nicht so verkehrt aufgehoben.
Auch Aerosmith geben Schützenhilfe mit dieser gemeinschaftlichen EP, mit der sie aus dem Off des Ruhestands wieder von sich hören lassen. Zumindest Gitarrist Joe Perry und Sänger Steven Tyler. One More Time führt unter nochmal wesentlich pop-moderneren Vorzeichen und stark produziert weiter, was Aerosmith seinerzeit mit ihrem Beitrag zum Soundtrack von Drei Engel Für Charlie (›Angel’s Eye‹) angestoßen hatten. Das mit bombastischen Streichern abgedichtete ›Problems‹ erinnert in der Strophe ein wenig an die Melodieführung von ›Smells Like Sanctuary‹ von The Cult. Auch in ›Wild Woman‹ sind Aerosmith hörbar präsent — in der hübschen Bombast-Ballade ›A Thousand Days‹ noch viel mehr. Als Fan darf man trotzdem zerknittert sein: 13 Jahre nach Music From Another Dimension! wäre diese opulent produzierte EP als womöglich letztes Wort der Bostoner eine schmerzvolle Enttäuschung. Ob sie neue Kräfte freisetzt?







