Knappe sechs Jahre nach dem überragenden Punching The Sky loten Armored Saint die Grenzen ihrer Musik einmal mehr aus. Auch Emotion Factory Reset bringt maximal eigenständigen Heavy Metal zu Gehör, der das Wirken dieser ehrwürdigen Band gut zusammenfasst: Sie haben Adrenalin, Power-Riffs und in John Bush einen ungewöhnlich charismatischen Sänger, der viel dazu beiträgt, dass sich Armored Saint auch weiterhin nicht eindeutig darauf festnageln lassen, ob sie im Metal oder doch eher im sehr harter Rock zuhause sein wollen.
Dabei entpuppt sich ihr neuntes Studio-Album als deutlich herausfordernder als sein vergleichsweise anschmiegsamer Vorgänger. Der Einstand fällt mit ›Close To The Bone‹ zünftig aus — ein dynamischer Kracher, der sofort mitreißt. Auch ›Not On Your Life‹ oder ›Every Man – Any Man‹ das mit einem komplex-groovenden Rush-Basslauf überrascht, hätten relativ problemlos auf dem Klassiker Symbol Of Salvation (1991) Platz finden können. Das explosive ›Hit A Moonshot‹ hingegen vereint in umwerfenden Riff-Attacken die Qualitäten von Armored Saint mit jenen, die Bush einst Anthrax injizierte, als er den ins Taumeln geratenen Thrashern durch die späten Neunziger in neue Jahrtausend half.
Auch ›Bottom Feeder‹ und ›Buckeye‹ schlagen tendenziell in diese Kerbe, wenngleich lange nicht so deftig. Thin Lizzy-Gitarren erden das sperrig-verschachtelte ›Compromise‹ und lassen es gleich vertraut klingen. Sich selbst zitieren Armored Saint ganz am Ende: Der Riff des melodischen ›Epilogue‹ wäre ganz nach dem Geschmack ihres 1990 verstorbenen Ur-Gitarristen Dave Prichard gewesen.








