Eine Zeit lang waren Deluxe-Editionen das heiße Ding der Stunde, für die sammelnde Musikfans gerne Geld ausgegeben haben. Es kam, wie es immer kommt: In den letzten Jahren konnte man dabei zuschauen, wie nach und nach jede Zurückhaltung bei der Preisgestaltung dieser Sonderausgaben gefallen ist — nicht immer als Konsequenz gestiegener Kosten, zurückgefahrener Fertigungsmengen oder am Ende sogar einer hochwertigeren Ausstattung. Dass es hin und wieder eben doch anders geht, zeigt dieses wunderbare Wheels Of Fire-Paket als 10’’-Box, das genauso hübsch, stabil und wertig umgesetzt wurde wie die vorangegangenen Cream-Boxen zu Fresh Cream und Goodbye Tour – Live 1968, allerdings in der Preisklasse 40 – 50 Euro angeboten wird.
Nach dem psychedelisch-avantgardistischen Disraeli Gears (1967) erschien Wheels Of Fire noch im selben Jahr als Drittwerk des exzentrischen Briten-Ensembles, in dem Eric Clapton (Gitarre, Gesang), Jack Bruce (Bass, Gesang) und Ginger Baker (Schlagzeug) als erste Supergroup der Rock-Geschichte zusammengefunden hatten und zum Inbegriff des modernen Power-Trios wurden. Das ungewöhnliche Doppelalbum mit einer Studio- und einer Live-Scheibe war in vielen kleinen Aufnahmeetappen während ihrer Konzertreisen entstanden. Beide Platten sind legendär: Nicht nur ›White Room‹ und ›Politician‹ als neue Eigengewächse leisteten wertvolle Beiträge dazu, Cream als überraschend fokussierte Heavy- und Psychedelic-Bluesrocker mit jazzgrundiertem Instrumentalunterbau endgültig unsterblich zu machen. Ihre kreativen Interpretationen von ›Sittin’ On Top Of The World‹ (1957 von Howlin’ Wolf populär gemacht) und ›Born Under A Bad Sign‹ (bekannt durch Albert King) tun dies genauso, während die Live-Platte mit etwa einer 17-minütigen Darbietung von ›Spoonful‹ das Phänomen ihrer Konzerte dokumentiert und die Legendenbildung anschob. Es blieb ihr letztes Album: Im Sommer 1968 gaben Cream nach nur zwei gemeinsamen Jahren ihre Auflösung bekannt.
Auf der dritten und vierten CD dieses Sets sind nun weitere Show-Mitschnitte zu hören, die zwischen dem 7. und 10. März 1968 in San Francisco festgehalten wurden, wo Cream munter zwischen dem Fillmore Auditorium und dem Winterland Ballroom hin und her sprangen. Die meisten davon fanden später auf Live Cream (1970) und Live Cream Volume 2 (1972) Verwendung, gänzlich ungehört ist lediglich ›We’re Going Wrong‹. Eine fünfte CD bündelt überwiegend recht lose umherflatternde alternative Mixe.
Wesentlich spannender ist das, was auf den ersten beiden Tonträgern vonstattengeht, die das originale Album gleich mehrfach erlebbar machen. Toll gelungen ist das neue Remaster. Essenziell aber ist, was als „phasenkorrigiertes Remaster“ angepriesen wird. Der Fokus der Produktion von Wheels Of Fire lag seinerzeit auf einem primären Stereo-Mix — um die Musik auf älteren Mono-Plattenspielern besser abspielbar zu machen, wurden die originalen Masterbänder über ein spezielles Verfahren („Compatible Stereo Generator“) bearbeitet und bleibend verändert. Alle seither erhältlichen Ausgaben von Wheels Of Fire gehen auf eben diese Bearbeitungen zurück, die Phasenverschiebungen, Verzerrungen, Verwaschungen und unsaubere Kanaltrennungen mit sich brachten. Hier ist nun das Album nach einem vollzogenen Entzerrungs- und Phasenkorrekturprozess zu genießen. Zwar wurden die Klangquellen in der Folge gezwungenermaßen auch neu ausbalanciert, so dass die hier verwendete Bezeichnung „de-CSG’d“ womöglich ein paar Zentimeter zu kurz greift. Dem Hörerlebnis aber tut es richtig gut: Das entstandene Soundbild ist nicht aufdringlich neu, wirkt aber klarer, aufgelöster (gut wahrnehmbar etwa in Claptons Wah-Wah-Spiel in ›White Room‹) und schlicht natürlicher.
Fein sind zudem die Stereo- und Mono-Referenz-Bänder aus dem Archiv des Produzenten Felix Pappalardi: Einen echten und sorgfältigen Mono-Mix des Albums hat es nie gegeben.
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Album: 10









