Bald 14 Jahre ist es her, dass Night Life und Fighting in ersten und vergleichsweise einfachen Deluxe-Editionen zugänglich gemacht wurden, die neben einem ordentlichen Remaster eine zweite CD enthielten, die Demos, Arbeits- und Alternativfassungen sowie Konzertaufnahmen und Auszüge einst für das Programm der BBC abgehaltener Sessions beinhalteten. Längst sind diese Editionen vergriffen und ein Teil des Zusatzmaterials in stärker zusammenhängender Form in separaten Themen-Boxen wie Thin Lizzy Live At The BBC gebündelt erschienen — der neue Mehrwert stiftende Standard solcher Veröffentlichung ist mittlerweile eine hochwertige Schuber-Aufmachung, die nichts mehr mit den pappigen Digipak-Ausführungen von einst gemein haben. Und: mindestens ein neuer Mix, der die Album-Originale neu erlebbar macht.
So ist in dieser hübschen Box Night Life nicht nur im Original, sondern auch in einer spannenden neuen Abmischung zu hören. Es ist das Album, mit dem Thin Lizzy 1974 in ihre ikonische Band-Ära überglitten, nachdem sich Eric Bell durch seine überbordenden Alkoholprobleme selbst aus der einst von ihm mitgegründeten Band katapultiert hatte. Nach einem kurzen Intermezzo mit Gary Moore, der Thin Lizzy in ihrer jungen Geschichte immer wieder als Feuerwehrmann zur Seite stand und der Gruppe auch bei Aufnahmen aushalf, beschloss Phil Lynott, seine Band mit einer doppelten Gitarrenspitze zu besetzen, um ihr Muskel- und Schubkraft zu verleihen. Der aus Glasgow stammende Brian Robertson war gerade mal 17, als er bei Thin Lizzy anheuerte, zwei Wochen später stieß der Amerikaner Scott Gorham dazu. Entsprechend energisch tönen ›It’s Only Money‹ und das angriffslustige ›Sha-La-La‹. Die Über-Ballade ›Still In Love With You‹ ziert ein prägnantes, noch von Gary Moore gespieltes Solo; der wunderbare Soul-Blues des Titelsongs bedient sich nicht nur im Text an jener Adaption, die B.B. King einst von dem Willie Nelson-Original anfertigte. Auch das emotionale ›Philomena‹ ist dabei, das Lynott seiner Mutter widmete. Die von der alten Deluxe-Bearbeitung bekannten Demos mit Gary Moore sind hier ebenso vertreten wie weitere hörenswerte Alternativ-Fassungen.
Auf Fighting (1975) stehen die neuen Thin Lizzy dann in voller Blüte. Auf der Plattenhülle geben sie die angriffslustige Gang — und klingen auch wie eine. ›Fighting My Way Back‹ ist eine herrlich breitbeinige und melodische Lizzy-Hymne, ›Rosalie‹ eine Adaption des Heartland-Rockers Bob Seger, die die Iren zu ihrem eigenen Song machen. ›For Those Who Love To Live‹ ist dem lebenslustigen nordirischen Fußball-Idol und Hardrocker George Best gewidmet, der Stammgast in der Bar des von Lynotts Mutter geführten Clifton Grange Hotel in Manchester war: Diese Twin-Gitarren machen süchtig. Die im ›Freedom Song‹ und dem harschen ›Suicide‹ sowieso: Das Stück basiert auf einer Folge der TV-Krimi-Reihe Perry Mason. Neu abgemischt werden konnten lediglich ›Rosalie‹, ›King’s Vengeance‹ und ›Silver Dollar‹.
Sieben CDs sind in diesem Set enthalten. Die letzte ist der Mitschnitt jenes Konzerts der Fighting-Tournee, das Thin Lizzy am 21. November 1975 in Derby spielten: Ein Teil dieser harten und überaus famosen Show gab es als Beigabe im DVD-Set Live And Dangerous und 2008 als CD unter dem Titel UK Tour 75 — hier ist die Klangqualität besser.
Album: Night Life 8
Album: Fighting 9








