Hätte das der Gefeierte noch erleben dürfen! Vergangenes Jahr zelebrierte Joe Bonamassa die Musik seines Gitarren-Idols bei drei ausverkauften Konzerten in Rory Gallaghers Heimatstadt Cork. Das muss man sich erst einmal trauen. An die Intensität seines leidenschaftlich vorgetragenen elektrischen Blues und der damit verbundenen emotionalen Tiefe hat sich noch kaum ein Musiker herangewagt — schon gar nicht auf dessen ureigenem Terrain. Der bloße Gedanke daran habe ihm Angst gemacht, bekennt der New Yorker, der sich der Aufgabe erst nach einer Einladung von Gallaghers Familie gewachsen fühlte. Dessen Werk habe er sich folglich mit viel Demut und Ehrfurcht genähert, aber auch mit dem Willen, die Fans des 1995 verstorbenen Iren nicht zu enttäuschen. Enttäuscht dürfte wohl niemand nach Hause gegangen sein.
Bonamassa trifft bereits die ikonische Tonfolge des eröffnenden ›Cradle Rock‹ und die atemlose Dringlichkeit dieses Klassikers vom 1973 veröffentlichten Album Tattoo perfekt. Auch im explosiven ›Walk On Hot Coals‹ hält sich der 49-Jährige nah am Original, aber klar, die nervöse Energie seines Jeans tragenden Helden ist dem Musiker im Maßanzug nicht zu eigen, doch die ersetzt ein permanent loderndes Feuer und ein durchaus eigener Charakter, der den Originalen stets voll gerecht wird. Das Spannungsfeld zwischen Hardrock, Blues und Folk beackert Bonamassa in Liedern wie ›Tattoo’d Lady‹ oder dem fantastischen Muddy Waters-Blues ›I Wonder Who‹ ähnlich hingebungsvoll, doch wie authentisch und urgewaltig das Vermächtnis des unsterblichen Musikers an diesen Abenden zum Leben erweckt wird, zeigt sich erst in voller Pracht nach dem subtilen ›Calling Card‹, als die Slide-Gitarre in ›Who’s That Coming‹, einer weiteren Tattoo-Perle, die Stimmung regelrecht explodieren lässt.
Und wenn man nach dem urigen Boogie-Rocker ›Messin’ With The Kid‹ und dem ewig mitreißenden ›Bullfrog Blues‹ des nahezu unbekannten Blues-Veteranen William Harris denkt, dass es besser kaum noch geht, verursacht das epische ›A Million Miles Away‹ mit rollendem Piano und majestätisch-ausladenden Soli eine meterdicke Gänsehaut. Ein weiterer besonderer Moment ist die Interpretation von Tony Joe Whites ›As The Crow Flies‹, bei der Bonamassa Gallaghers originale National Triolian Resonatorgitarre aus dem Jahr 1930 spielt. Das Ende des Abends kann dann natürlich nichts anderes als ›Back On My Stompin’ Ground‹ mit ausgelassenen Hammond- und Gitarren-Soli einleiten. Diese Wahnsinns-Performance gilt es erst einmal zu verdauen.
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