Sons Of Apollo
MMXX
InsideOut
8
Ein Monster mit fünf Köpfen

Wann hat sich Mike Portnoy eigentlich zuletzt eine Pause gegönnt? Ob mit der Neal Morse Band, Flying Colors oder demnächst wieder mit Transatlantic, der frühere Dream Theater-Trommler ist momentan allgegenwärtig. Dabei wollte er sein Hauptaugenmerk doch auf die Sons Of Apollo legen, jener Progressive-Rock-Supergroup mit dem ebenfalls einst beim Traumtheater agierenden Keyboarder Derek Sherinian, Gitarrist Ron „Bumblefoot“ Thal, Bassist Billy Sheehan und Sänger Jeff Scott Soto. Zumindest spielerisch ist das Quintett seit seinem 2017 erschienenen Debüt Psychotic Symphony zu einer schlagkräftigen Einheit gewachsen und hat den Stil-Mix aus Metal, Prog und klassischem Hardrock auf dem Nachfolger MMXX einem konsequenten und atemberaubend virtuosen Progressive-Metal-Ansatz weichen lassen.
Was der Fünfer in — zumindest zeitlich — überschaubaren Fünf-Minuten-Kompositionen wie ›Wither To Black‹, ›Asphyxiation‹ oder dem ein wenig an Deep Purple zu The Battle Rages On-Zeiten erinnernden ›Resurrection Day‹ an halsbrecherischen Tempohaken, monumentalen Riff-Brocken, glühend heißen Gitarren-Sprints und irrwitzigen Synthesizer-Klängen drängt, lässt dem Zuhörer kaum Zeit zum Atemholen, ist aber auch nichts, was man von dem mit allen Wassern gewaschenen Musiker-Kollektiv nicht ohnehin erwartet hätte. Überraschend dagegen, dass sich Bass-Gott Sheehan weitgehend im Hintergrund hält und seine Anwesenheit am ehesten in der kühlen Gothic-Ballade ›Desolate July‹ und dem atmosphärischen und relativ leichtfüßig inszenierten ›King Of Delusion‹, das mit kühlen Jazz-Schlenkern und quirligen Piano-Läufen gefällt, spürbar macht. Das „Biest mit fünf Köpfen“ (O-Ton Sherinian) speit im 16-minütigen ›New World Today‹ noch einmal ordentlich Feuer, ein Epos, das zugleich auch die Schwächen des Fünfers aufzeigt. Die kompositorischen Fähigkeiten hinken den spielerischen mitunter doch arg hinterher. Als aufsehenerregender Songschmied vom Schlage eines Neal Morse hat sich im Tempel des Apollo noch keiner seiner Söhne nachdrücklich aufgedrängt.
7,5/10
MARKUS BARO
 
Zweitstimme:
 
Das zweite Album der Sons Of Apollo ist ein ganz schöner Brocken, den man eine Weile in den Händen umherdrehen muss, um sich ein Gefühl für MMXX zu ertasten. Auffällig ist zunächst, dass die Band die auf Psychotic Symphony vorherrschende Diskrepanz zwischen eingängigen Hits und ereignisreicher Progressive-Metal-Kunstturnerei aufgelöst hat und auf sofort mitziehende Wuchtnummern wie ›Coming Home‹ gleich ganz verzichtet: Der Empfang der Herren Soto, Bumblefoot, Sheehan, Sherinian und Portnoy findet mit weniger weit ausgebreiteten Armen statt als gedacht. Was ihr zweites Album nicht zu einer schlechten Platte macht. Tatsächlich entpuppt sich MMXX als das stimmigere und konsequentere ihrer beiden Alben: Es ist um ein Vielfaches kompakter und gewaltiger geraten und verblüffend engmaschig gewoben. Das vergleichsweise eingängige ›Wither To Black‹ spielt geschickt mit einem ganzen Meer an Orgel-, Mellotron- und Synthesizer-Sounds, für die Derek Sherinian seit seinen Dream Theater-Beiträgen zu A Change Of Seasons und Falling Into Infinity bekannt ist (zusätzlich dazu gibt es viele kleine versteckte Reminiszenzen an Deep Purple, Rush und Yes); passend dazu wird breitbeinig in guter Classic-Rock-Manier gerifft, und auch Billy Sheehan setzt mit seinem signifikanten Knurrbass angenehm vertraute Soundspitzen. Unauffällig spielt der Bassist auf MMXX ganz und gar nicht. Wild wird die Fahrt in ›Asphyxiation‹, das von Bumblefoot stoisch-harten Meshuggah-Riffwalzen lebt, die von der Band grob in den Soundkontext von Falling Into Infinity eingebettet werden und der faszinierenden Nummer ihre modern-brachiale Heavyness entziehen. Ausgerechnet die Solo-Passagen sind es dann, die endgültig abholen und Luft zum Atmen geben. In epischen ›Desolate July‹ folgt der große Soto-Moment der Platte, ehe ›King Of Delusion‹ nach seinem klassischen Piano-Intro mit besten Dream Theater, Savatage und Ozzy Osbourne hantiert: Der Haupt-Riff hat doch einiges von ›Perry Mason‹.
8,5/10
DANIEL BÖHM
 
 

ROCKS präsentiert

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Don’t Panic
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Fishing For Fishies
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