Roger Waters
Is This The Life We Really Want?
Sony
4
Mahnungen eines Sanftwütigen

Um deutliche Kommentare zu Politik und Weltgeschehen war Roger Waters noch nie verlegen. Immer streitbar, gern belehrend und mit einem Hang zur Selbstgerechtigkeit inszenierte sich der Sänger und Bassist spätestens ab dem Pink Floyd-Opus Animals (1977) als Meckerer und Mahner. In seinem 74. Lebensjahr hat sich daran nichts geändert — zumal er sein erstes Soloalbum seit einem Vierteljahrhundert in eine Zeit von Flüchtlingskrisen, religiösem Fanatismus und nicht zuletzt in die frisch angebrochene Ära Trump hineinveröffentlicht. „Picture a shithouse with no fucking drains, picture a leader with no fucking brains“, giftet der Brite in ›Picture That‹ in Richtung des US-Präsidenten. Doch Wut ist nicht sein dominanter Modus Operandi auf Is This The Life We Really Want? Textlich schwingen mindestens ebenso viel Resignation und Überdruss mit, musikalisch erzeugen sanfte Akustikgitarren, Klavier, Streicher und moderat eingesetzte Synthesizer einen warmen, würdevollen Kontrast zur angeprangerten Gefühlskälte. Überraschend ist, dass sich Waters dabei viel offensichtlicher als auf seinen vorherigen Solowerken an sein früheres Schaffen mit Pink Floyd anlehnt, als wolle er seinen ehemaligen Kollegen David Gilmour und Nick Mason zeigen, wer der legitime Vermächtnisverwalter der Art-Rock-Institution ist — beide hatten vor drei Jahren die Resteverwertung The Endless River unter dem Namen Pink Floyd veröffentlicht. So schwingen gleich im ersten Song ›Déjà Vu‹ unverkennbar Anklänge an ›Pigs On The Wing‹ (Animals), ›Mother‹ (The Wall) und ›Southampton Dock‹ (The Final Cut) mit, während ›Smell The Roses‹ neben Animals auch Dark Side Of The Moon und Wish You Were Here verinnerlicht hat. Der collagenhafte Einsatz von Sound-Samples — darunter Gesprächsfetzen, Fernsehstimmen, Hundegebell oder das Ticken von Uhren – in Stücken wie ›The Last Refugee‹, ›Bird In A Gale‹ und ›When We Were Young‹ trägt zusätzlich zu einem Gefühl der Vertrautheit und Zugänglichkeit bei. Allerdings hätte dem über weite Strecken gemächlichen Album etwas mehr Elan und Dynamik gutgetan. Und die unvergleichliche Gitarre eines David Gilmour vermisst man in diesem Kontext sehr. Doch auch so ist Is This The Life We Really Want? das überaus respektable Alterswerk eines Künstlers, dessen Relevanz und Faszination ungebrochen ist.

 

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