Opeth
In Cauda Venenum
Nuclear Blast
9
Die wahren Progressiven

»Für uns bedeutet Heavyness nicht einfach tiefer gestimmte Gitarren und geschriener Gesang.« So macht Mikael Åkerfeldt klar, was Opeth im Jahr 2019 nicht sind. Recht hat er. Auch mit In Cauda Venenum darf man seine Band noch in die Sparte Metal einordnen, aber die Härte kommt aus dem komplexen, massiven Gesamtsound, der naturbelassen und nicht künstlich aufgepimpt ist. Was das Progressive angeht: Seit Heritage gräbt die Band tief in den Klangwelten des Prog Rock der siebziger Jahre, ohne dabei retro zu klingen. Die Musik wirkt modern — weil die Musiker nicht so spielen, wie man es anno 1970 getan hätte. Auch auf dem aktuellen Album strecken sie ihre Fühler immer wieder in bislang unbespieltes Terrain aus, wie exemplarisch in ›The Garroter‹ vorgeführt wird: Mehr Jazz im Prog Metal war selten. ›Heart in Hand‹ ist das gerade Gegenteil: galoppierende Bass-Gitarren-Verwicklungen, hypermotiviertes Drumming. Eine pulsierende und doch sehr menschliche Maschinerie, wie auch ›Carlatan‹. ›Dignity‹ lebt von harschen laut-leise Kontrasten, und findet am Ende Erlösung in der archaischen Brüll-Orgel. Immer wieder nehmen die Songs überraschende Wendungen, etwa durch den Einsatz akustischer Gitarren oder originelle Orchestrierung — allerdings ohne Pathos-Faktor. Allenfalls ›Lovelorn Crime‹ hat einen Refrain, den man schwelgerisch nennen könnte. In weiten Teilen aber zieht dieses Album Harmoniesüchtigen konsequent den Boden unter den Füssen weg. Der Eindruck verstärkt sich in der schwedischen Version des Albums noch einmal, da Åkerfeldts Muttersprache in diesem musikalischen Kontext sperriger wirkt als das Englische.
8/10
THOMAS ZIMMER

Zweitstimme:

In Cauda Venenum verdeutlicht einmal mehr, wie tief Van der Graaf Generator, Gentle Giant, Jethro Tull, Yes und King Crimson in die DNS von Opeth übergegangen sind. Nach dem beklemmenden Intro ›Livets Trädgård‹, das kunstvoll den Vorhang zu einer nebelverschleierten Szenerie aufzieht, bricht ›Dignity‹ über den Hörer ein, das sich in Riffs, Voicings und Rhythmen deutlich auf die alten Vorbilder beruft und doch eine typische Opeth-Nummer mit pastoralen Melodien bleibt. Dagegen riffen ›Hjärtat Vet Vad Handen Gör‹ (›Heart In Hand‹) und grollen ›De Närmast Sörjande‹ (›Next Of Kin‹) als Melancholie-Monolithen, die sich noch am ehesten am Vorgängerwerk Sorceress (2016) orientieren und ordentlich die Muskeln spielen lassen — gleichwohl aber auch einen ziemlichen Swing entfachen.
Das sowohl in der englischen als auch schwedischen Version gleich betitelt ›Charlatan‹ dagegen überfällt und überwältigt mit tiefergelegten Heavy-Riffs, über die Åkerfeldt seinen beschwörenden Gesang spannt, während Joakim Svalberg sein Bestes gibt, mit unheimlichen Mellotronstreichern, einem dissonanten, leicht verzerrt gespieltem Orgelthema und einer tüchtig grundierenden Kirchenorgel eine unbehagliche Horroratmosphäre aufzubauen. Abschließende Hörspielsequenzen und tief in Hall gebettete Mönchsgesänge verstärken diese weiter. Ab hier wird der Grundton der Platte verträumter, freundlicher und filigraner. Opeth standen noch nie in Verruf, sich musikalisch zu wiederholen. Und so ist auch In Cauda Venenum ein ganz besonderes Artefakt in der Geschichte von Åkerfeldts Ensemble geworden, auf dem sie sich befreit und ideenreich als Vertreter des Art- und Progressive Rock ausleben.
9/10
STEPHAN ULLRICH

 

ROCKS präsentiert

Laurence Jones Band
Laurence Jones Band
D-A-D
A Prayer For The Loud
Roxy Blue
Roxy Blue
IZZ
Don’t Panic
King Gizzard & The Lizard Wizard
Fishing For Fishies
The Moody Blues
In Search Of The Lost Chord — 50th Anniversary Edition
Grateful Dead
Aoxomoxoa (50th Anniversary Deluxe Edition)
Sammy Hagar & The Circle
Space Between
Tanith
In Another Time
Vultures Vengeance
The Knightlore
Eagles
Legacy
Anthrax
State Of Euphoria — 30th Anniversary Edition