Jetboy
Born To Fly
Frontiers
8
Je oller, je doller!

Den Traum von einer Weltkarriere hatten die 1983 gestarteten Jetboy schnell ausgeträumt. Dementsprechend gemütlich sind die Amerikaner ihre diversen Reunion-Ambitionen angegangen, die streng genommen nie welche waren. Sami Yaffa, der einstige Bassist von Hanoi Rocks, ist schon ewig nicht mehr mit dabei, auch ihren Sänger Mickey Finn hatten sie nach der wenig beeindruckenden EP Off Your Rocker (2010) kurzzeitig verloren; inzwischen steht er wieder an der Seite seiner alten Gitarren-Kumpanen Billy Rowe und Fernie Rod, und hat mit dem hinzugestoßenen Bassisten Eric Stacey (Faster Pussycat) tatsächlich ein neues Album eingespielt. Der laue Start mit ›Beating The Odds‹ verheißt wenig Gutes und klingt, als würde eine grobkörnige Street-Rock-Ausgabe der Beautiful Creatures gerade Judas Priest covern. Ab dem folgenden Titelsong aber übernehmen die Jetboy das Ruder, die sich auf Damned Nation (1990) so vorzüglich darauf verstanden, Aerosmith, AC/DC und die Rock City Angels miteinander zu verlöten. Alt sind sie geworden. Und genau das trägt ganz wesentlich dazu bei, dass Born To Fly zum wohl besten und liebenswertesten Album ihrer Laufbahn wurde. Wie gut dieses Ensemble bei Sinnen ist, zeigt sich in ›Brokenhearted Daydream‹ am besten: Eine mitreißende Nummer, die ganz aus der Begeisterung für den Augenblick heraus entstanden ist und beweist, dass die gute alten Riff-Rock-Rezeptur längst noch nicht ausgereizt ist — spätestens im Gitarrensolo und den euphorischen Refrainwellen will man Jetboy einfach nur umarmen.
›The Way That You Move Me‹ ist die zweite Preziose dieser Platte. Es gibt Klavier, Örgelchen und Chordamen; was hier geschieht, ist eng mit dem Traditionssound verbunden, den in Übersee die Rolling Stones, die Dogs D’Amour und die Quireboys zu ihrer Lebensaufgabe gemacht haben. Finn intoniert irgendwo zwischen Taime Downe und Brett Michaels: ein ganz famoser Song, den man dieser Band niemals zugetraut hätte. ›Old Dog, New Tricks‹ schon eher, der mit seiner vorwärtsblasenden Harp recht deutlich auf Aerosmith, Michel Monroe und Faster Pussycat verweist. ›She‹ ist sleaziger Party-Riff-Rock, während ›Every Time I Go‹ die Georgia Satellites und sogar Jimmy Barnes auf den Plan ruft. Dass Born To Fly gar nicht erst den Anspruch hegt, ein eitel durchgestyltes Album zu sein und sich eine Schnoddrigkeit nicht nur in den Sounds der Gitarren bewahrt hat, macht es umso wertvoller. Und lässt auch ein wenig an den Karriereweg ganz ähnlich altersgegerbter Veteranen wie Little Caesar denken.
 

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