Shemekia Copeland/Kenny Wayne Shepherd
Gemeinsam gegen Schubladen

Blues-Sängerin Shemekia Copeland und Gitarrist Kenny Wayne Shepherd haben einen gemeinsamen Song veröffentlicht: ›Hit 'Em Back‹ richtet sich gegen die Uneinigkeit und Wut in der Blues-Gemeinschaft.

Copeland ist die Initiatorin des Projektes. Sie hatte zunächst ihren Texter John Hahn gebeten, Lyrics zu schreiben und anschließend Shepherd als Komponist angefragt, der die Nummer gemeinsam mit Produzent Marshall Altman entwickelte. Ebenfalls Teil der Aufnahme ist Slide- und Pedal-Steel-Gitarren-Spezialist Robert Randolph und Schlagzeuger Tony Coleman (B.B. King, Etta James).

Für die Tochter des 1997 verstorbenen Blues-Gitarristen Johnny „Clyde“ Copeland steht der Song in einer Reihe mit ihren früheren Nummern ›Ain't Got Time For Hate‹ (America's Child, 2018) und ›Uncivil War‹ (Uncivil War, 2020): » Es gibt keinen Zweifel, dass es Rassismus in diesem Land und in unserem Geschäft gibt, aber was uns vor allem zusammenbringt, ist die Musik. Die Leute sind wütend und erschaffen manchmal ihre eigenen Agenden, die uns spalten können. Wenn wir zusammenkommen und es um die Musik geht, kann das nur helfen.

Ich gebe zu, dass auch ich Teil des Problems war, indem ich Dinge in virtuelle Kisten oder Kategorien steckte, die uns voneinander abgrenzen; die Musik entwickelt sich weiter und verändert sich, so dass sich die Definition des Blues selbst erweitert hat. Man kann sagen: „Das ist der Blues und das nicht“, und ich habe mich dessen auch schuldig gemacht, aber mittlerweile habe ich erkannt, dass er alles umfasst, von Rock und Folk bis hin zu allem Möglichen. Der Blues ist die Wurzel der amerikanischen Musik.«

Shepherd stimmt dieser Herangehensweise zu: »Die meisten Leute, die versuchen zu definieren was Blues ist und was nicht, machen selbst keine Musik. In dem Moment, in dem man Musik veröffentlicht und sie mit anderen teilt, gehört sie allen; Musik kommt von der Seele und die Seele hat keine Farbe oder Aussehen und es gibt keine Box, in die man sie stecken kann, sie gehört uns allen. Alles, was von echten Musikern aufgenommen wird, die von Herzen spielen, ist unterstützenswert, egal wie man es nennt.«

Für den 43-Jährigen ist es die erste Veröffentlichung nach der Kontroverse um den Entzug seiner Nominierung für den Blues Music Award 2021 in der Kategorie „Bester Blues/Rock Künstler“ Ende März. Die zuständige Blues Foundation hatte in Berufung auf ihr eigenes Statement gegen Rassismus so gehandelt, weil Shepherd in seiner Muscle Car-Sammlung einen Nachbau des General Lee genannten Autos aus der Serie Ein Duke kommt sollten allein (Originaltitel: The Dukes Of Hazzard) hat. Das Dach dieses individualisierten Dodge Charger zeigt die Konföderiertenflagge, die in den USA als Symbol für Sklaverei und Rassismus gilt. Auch Gitarren und andere Gegenstände des im südlichen Bundesstaat Louisiana geborenen Musikers sollen das Symbol tragen.

Schon damals hatte er betont, das Fahrzeug nicht mehr zu nutzen: »Vor einiger Zeit entschied ich mich außerdem, die Flagge permanent zu verdecken, da sie im kompletten Gegensatz zu meinen Werten steht und die afro-amerikanische Gemeinschaft beleidigt, welche die Musik erfand, die ich so sehr liebe.«

Shemekia Copeland und Kenny Wayne Shepherd kennen sich bereitsseit Teenager-Tagen und haben beide in der Frühphase ihrer Karriere Shows für die Blues-Legende B.B. King eröffnet.