In Santa's Claws
Weihnachtsalben: Teil 1

Willkommen in der Zeit der wunderlichen Weihnachtsalben! An den kommenden vier Adventssonntagen werden wir hiervon eine kleine Auswahl vorstellen, die aus ganz unterschiedlichen Gründen Laune macht. Auch Obskures wird dabei sein. Aber dafür haben wir noch etwas Zeit. Habt eine schöne Adventszeit!

Bing Crosby Merry Christmas (1955)

Ein echter Weihnachtsklassiker zu Beginn: Bing Crosbys ›White Christmas‹ ist die meistverkaufte Single aller Zeiten und auch seine gemütlich-kitschig orchestrierten Adaptionen von ›Santa Claus Is Comin‘ To Town‹, ›Jingle Bells‹ oder ›I‘ll Be Home For Christmas (If Only In My Dreams)‹ dienen längst nicht nur in den USA zur Untermalung der Advents- und Weihnachtszeit. Merry Christmas hat seit 1955 (einige der darauf zu hörenden Aufnahmen sind sogar noch zehn Jahre älter) über dreißig Neuauflagen mit leicht variierenden Titeln erfahren und gilt als das erfolgreichste Weihnachtsalbum überhaut — nach Elvis‘ Christmas Album von Elvis Presley.

Anspieltipps: ›White Christmas‹, ›Mele Kalikimaka‹, ›Santa Claus Is Comin‘ To Town‹, ›Christmas In Killarney‹
 

Pretty Maids — In Santa‘s Claws  (1990)

Ein gutes halbes Jahr nach der Veröffentlichung Jump The Gun im Frühjahr 1990 gönnen sich die Pretty Maids den Spaß einer Weihnachts-EP. Rein musikalisch geht es im Titelstück bedingt weihnachtlich zu: ›In Santa's Claws‹ bietet genau die Sorte Hardrock, für den die Dänen seinerzeit bekannt waren.

Und auch textlich ist die Nummer anders, als man es in der heilen Welt der Weihnachtsmarktmusik erwarten würde. »It’s heaven for the moneyman, this business overflow, the beggar doesn’t understand this sudden give-away-show« singt hier Ronnie Atkins seinen Wunsch nach einer weniger von Konsum und Geschäft dominierten Advents- und Weihnachtszeit.

Der zweite Themensong ist ›A Merry Jingle‹, einem Medley aus verschiedenen Weihnachtsliedern ganz nach bester Pretty Maids-Manier, zu dem sich ein recht betrunkener Ian Gillan ins Aufnahmestudio verirrte. Abgerundet wird die Platte von drei Liveaufnahmen der Songs ›Eye Of The Storm‹, ›Red, Hot And Heavy‹ sowie ›Rock The House‹ vom Roskilde Festival 1990.

Anspieltipps: ›In Santa’s Claws‹, ›A Merry Jingle‹
 

The Brian Setzer Orchestra — Boogie Woogie Christmas (2002)

Nach der Trennung der Stray Cats 1984 dauerte es eine Weile, bis sich die Karriere von Brian Setzer wieder erholte. Richtig Schwung bekam sie rund zehn Jahre später, als der Rockabilly-Gitarrenderwisch sein Brian Setzer Orchestra auf den Weg brachte, mit dem er maßgeblich am Swing-Revival der Neunziger mitbaute: The Brian Setzer Orchestra (1994), Dirty Boogie (1998) oder auch Vavoom! (2000) sind essenzielle Platten zwischen Jump-Blues, Rock'n'Roll, Rockabilly und infektiösem Big-Band-Swing mit XXL-Bläsersätzen, gerupftem Bass und anbetungswürdiger Gitarrenarbeit des Chefs.

Auch Boogie Woogie Christmas machen dise Attribute anziehend und musikalisch gehaltvoll — es ist das erste und bessere zweier Weihnachtsalben, die das Brian Setzer Orchestra zwischen 2002 und 2005 einspielte. Mit dem ersten Ton ist man mitten drin in einer fetzigen und ziemlich coolen Weihnachts-Gala, bei der sich Setzer auf einer riesigen Show-Bühne nicht nur amerikanisches Weihnachtsallgemeingut wie ›Winter Wonderland‹ oder ›Jingle Bells‹ zu Eigen macht, sondern auch aufgepeppte Evergreens von Elvis (›Blue Christmas‹), Klassiker-Stoff von Jerry Leiber und Mike Stoller (›Santa Claus Is Back In Town‹ wird zum harten Blues mit genialer Setzer-Gitarre) wie auch Vergessenes des Jazzmusikers Lionel Hampton (›Boogie Woogie Santa Claus‹) oder von Kay Starr (›Everybody's Waitin' For‹).

›The Nutcracker Suite‹ ist ebenso dabei: Sprungbrett für diese instrumentale Big-Band-Feier ist weniger das klassische Werk von Tschaikowski als vielmehr die Version des Les Brown Orchestra aus den Fünfzigern. Heiß und unkonventionell.
 
Anspieltipps: ›Jingle Bells‹, ›Winter Winderland‹, ›Sleigh Ride‹, ›Santa Claus Is Back In Town‹, ›Run Rudolph Run‹