Robert Plant
30 Jahre Manic Nirvana

Die Achtziger hindurch ging Robert Plant auf Distanz zu seiner Vergangenheit mit Led Zeppelin und suchte das Pop-Experiment. Spätestens mit dem unterschätzten Now And Zen (›Ship Of Fools‹) kehrte 1988 der rote Faden in seine Musik zurück, den der Sänger so schnell nicht wieder aus der Hand gab: Mit neu entdeckter Rock-Gott-Libido kracht er unerwartet hart in die Neunziger — heavy genug, um die zuletzt zaudernden Zeppelin-Jünger mit ihm zu versöhnen.
 
Völlig ungeniert und vergleichsweise plump spielt der damals 42-Jährige in ›Big Love‹ seine zwei Dekaden zuvor zur Kunst erhobenen Gockel-Manierismen aus; umso unterhaltsamer vermittelt er dafür in ›Nirvana‹, ›S S S & Q‹, ›She Said‹ oder ›Tie Dye On The Highway‹ zwischen dem Mainstream-Groove-Sound zeitgenössischer Combos wie Inxs und den Simple Minds und der Heavy-Rock-Subtilität seiner einstigen Band.

Manic Nirvana ist das letzte Album von Robert Plant, das sich einem eindeutigen Produktionszeitgeist zuordnen lässt. Denn genauso schwungvoll und bestimmt, wie Plant die Neunziger betreten hatte, verlässt er sie drei Jahre später auch schon wieder:

1993 markiert Fate Of Nations den Beginn eines bemerkenswerten Emanzipationsprozesses, der in einer seltenen künstlerischen Freigeistigkeit mündet, die aus Rockdinosauriern lebende Legenden macht: Zwischen wunderschönen Hits wie ›I Believe‹ (in dem Plant den Tod seines Sohnes reflektiert) und ›29 Palms‹ stecken allerlei Momente, die durch indische und arabische Folkloreadaptionen begeistern.

Hätten Led Zeppelin ein Album in den Neunzigern gemacht, es hätte wohl nicht viel anders geklungen als dieses. Auffällig vor allem in ›Calling To You‹, einem schweren, schleppenden Rocker mit explosivem Finale (bei dem Punk-Geiger Nigel Kennedy vorzügliche Werbung in eigener Sache betreibt). Auch der mystische Folksong ›Down To The Sea‹ steht III zumindest sehr nahe.

Und Plant selbst klang solo selten selbstbewusster und gebieterischer als in wundervollen Liedern wie ›Great Spirit‹ oder ›Promised Land‹. Viele dezente indische und arabische Elemente sind dabei Vorboten seiner endgültigen Neuorientierung.

Eingeleitet hat diesen Prozess heute vor 30 Jahren Manic Nirvana: Happy Birthday!