The Neptune Power Federation
Im Tangoschritt ins Weltall

Wer ihren Sound zu entschlüsseln versucht, stößt schnell an Grenzen. Das weiß auch der Gitarrist von The Neptune Power Federation. Der darf zwar keine so auffallende Kopfbedeckung tragen wie die extravagant kostümierte Sängerin Imperial Priestess Screaming Loz Sutch, dafür aber den schönen Namen Inverted CruciFox: Deutlich spannender als sein Erdenname Mike. »Wir ziehen aus vielen unterschiedlichen Quellen Inspiration und versuchen, diese neu zu kombinieren. Wir spielen Siebziger-Metal, psychedelischen Space-Rock und Stadionrock. Manchmal alles in einem Song.«

Vier Alben haben die Australier seit ihrer Gründung vor sieben Jahren veröffentlicht, von denen die ersten drei längst vergriffen sind. Immerhin werden von Lucifer’s Universe (2015) und Neath A Shin Ei Sun (2017) im Herbst Neuauflagen erscheinen, etwa zeitgleich mit ihrem jüngsten Opus Memoirs Of A Rat Queen. Darauf gibt sich das Quintett etwas muskulöser als zuletzt. »Wir steuern immer noch in dieselbe Richtung«, meint Inverted CruciFox. »Allerdings haben wir versucht, den klassischen Gitarren-Sound von AC/DC besser hinzubekommen, um den Songs mehr Luft zu geben. Diesen Raum nutzt die Imperial Priestess. Ihr Gesang ist wesentlich vielschichtiger.«

Tatsächlich scheint der psychedelische Sound-Nebel nicht mehr ganz so unheimlich und undurchdringlich zu sein. Gewöhnlich klingt die Band deshalb aber noch lange nicht. Auch wenn die Glamrock-Komponente auf Memoirs Of A Rat Queen definierter wirkt: Songs wie ›Rat Queen‹ und ›I’ll Make A Man Out Of You‹ erinnern unweigerlich an die Runaways und Joan Jett. »Die Imperial Priestess ist eben eine zeitreisende Space-Hexe und gut rumgekommen«, kichert der Gitarrist. Dass jeder Song eine andere Episode ihrer fantasievollen Existenz darstellen soll, macht die verrückte Musik dieser Band nur anziehender.

So erfährt man von den Erlebnissen der „kaiserlichen Priesterin“ inmitten der Französischen Revolution, aber auch von einer ordentlichen Parkplatz-Liebschaft vor einem Judas Priest-Konzert gut zweihundert Jahre später. »Wir haben viele abgefahrene Tonsignale auf der Platte versteckt, sodass Kopfhörerträger ganz sicher wieder einen hübschen Ausflug ins Weltall erleben werden. Aber keine Sorge: Es ist immer genügend Groove dabei, um zu den Nummern tanzen zu können.«