Judas Priest
Die Erlösung kommt in Schwermetall

Arm an Klassikern ist das Gesamtwerk von Judas Priest nun wirklich nicht. Während die Kür ihrer wohl besten Platte schnell in einen Glaubensstreit ausarten kann, dürfte die Wahl des stimmungsvollsten Priest-Albums eindeutiger ausfallen: Zwei Jahre nach dem völlig unspektakulären Rocka Rolla finden die Pioniere aus Birmingham mit Sad Wings Of Destiny (1976) zu einem wahnsinnig originellen Sound, der die tiefdunkle Atmosphäre von Black Sabbath ebenso eingeschlossen hält wie das filigrane Heavy-Rock-Feuerwerk von Deep Purple und Rainbow. Und auch das Drama von Queen, denen in dieser Zeit längst nicht nur Sänger Rob Halford hoffnungslos verfallen ist — am offensichtlichsten freilich in der pompös aufgezogenen Klavierballade ›Epitaph‹, aber auch besser versteckt in vielen Details.

Das epische ›Victim Of Changes‹ droht mit hartem Riffing und schiebt sich einem Finale von unerhörter Intensität entgegen. Genauso unheimlich-eindringlich geraten das rustikale ›The Ripper‹ und das balladeske ›Dreamer Deceiver‹, in dem Halford hingebungsvoll und theatralisch sämtliche Stimmregister zieht: Ein atmosphärischer Klanggigant aus der Feder des früheren Priest-Sängers Al Atkins, der Textzeile für Textzeile fesselt und ganz tief in den Sessel drückt — ein Genre-Monument.

Heute vor 44 Jahren ist Sad Wings Of Destiny erschienen und hat Judas Priest auf Kurs gebracht: Happy Birthday!