Joe Bonamassa
Der perfekte Song

Zum dritten Mal in Folge hat Joe Bonamassa für ein neues Album ausschließlich Eigenkompositionen aufgenommen. Redemption ist das 13. Studioalbum des allgegenwärtigen Bluesrockers und geprägt von großer Vielfalt, düsterer Emotionalität und einer tiefen Entschlossenheit.

Joe Bonamassa steht vor einem Mikrofon im Blackbird Tonstudio in Nashville und macht sich bereit, einen besonderen Track einzusingen. ›Self-Inflicted Wounds‹ ist keine gewöhnliche Bluesrock-Nummer, sondern merklich etwas sehr Persönliches. Der Amerikaner hält den Song für einen seiner bislang besten, erzählt er später — und singt die Textzeilen mit einer emotionalen Inbrunst, die überhaupt auf Redemption nur schwer zu überhören ist.

Der Musiker, den man im Video zu ›Self-Inflicted Wounds‹ zu sehen bekommt, ist gewiss nicht der distanzierte Bandleader mit der abschottenden Sonnenbrille, der auf der Konzertbühne kaum mit seinem Publikum redet. Irgendetwas ist hier anders. Er ist anders. »Ich mache nicht einfach weiter wie bisher, sondern habe mich weiterentwickelt. Und zwar zum Besseren«, schmunzelt er.

»Momentan kommt es mir so vor, als sei Redemption ein deutlich persönlicheres Album als die meisten meiner anderen, was sich auch in der musikalischen Bandbreite der neuen Songs niedergeschlagen hat.« Auf seiner 13. Solo-Platte sollte Musik zu hören sein, die auf unterschiedliche Art und Weise sein Leben berührt und fest mit ihm verbunden ist, führt der Gitarrenkünstler aus. »Insgesamt gibt es um die vierzig Platten von mir und irgendwann läuft man Gefahr, dass man etwas den Überblick verliert, dass sich ein Muster einschleicht oder sich manche Dinge einfach zu sehr ähneln. Das wollte ich um jeden Preis verhindern. Einen starren Masterplan umzusetzen, hat mir aber genauso widerstrebt. Deshalb habe ich das Songwriting einfach fließen lassen.«

Sein langjähriger Produzent Kevin Shirley unterstreicht die Worte seines Schützlings. »Ich sorge mit dafür, dass Joe von Platte zu Platte seinen Horizont erweitert. Er sieht sich mit jedem Projekt nach neuen Möglichkeiten um. Genau das macht seine Musik ja so spannend.« Anders als bisher ist er diesmal nicht allein für die Gitarrenparts zuständig. Gleich zwei erfahrene Session-Profis unterstützen ihn auf Redemption: Kenny Greenberg (Bob Seger, Toby Keith) und Doug Lancio (John Hiatt, Steve Earle). Auch seiner Aufgabe als Songlieferant geht Bonamassa weiterhin gerne mit etwas Hilfe aus der Nashville-Szene nach. So entstanden die meisten Lieder erneut mit dortigen Größen wie Tom Hambridge (Buddy Guy, ZZ Top, George Thorogood), James House und Gary Nicholson — das Titelstück schrieb er gar mit der amerikanischen Blues- und Rock’n’Roll-Legende Dion DiMucci.

Für Shirley ist Redemption das bislang herausforderndste und vielseitigste Bonamassa-Werk, bei dem lediglich auf den ersten beiläufigen Blick alles beim Alten geblieben ist. So etwa die monumentale Klangkulisse des Openers ›Evil Mama‹, zu der die konzerterprobte Rhythmusabteilung (Michael Rhodes am Bass, Anton Fig am Schlagzeug, Reese Wynans am Keyboard), die Bläsergruppe mit Pauli Cerra und Lee Thornburg und die druckvollen Chor-Stimmen von Mahalia Barnes (Tochter der Aussie-Rock-Legende Jimmy Barnes), Juanita Tippins und Jade MacRae gleichermaßen beitragen. Auch die wohlbekannte Fingerfertigkeit des Saitenvirtuosen kommt hier voll zur Geltung. »Wir wollten einen tiefen Groove, wie ihn Tower Of Power immer so gut hinbekommen. Ich stehe auf so was«, bemerkt Bonamassa.

 »Was mir nach all den Jahren am meisten Spaß macht, ist die Jagd nach dem perfekten Song«, stellt er klar. »Der sollte aus meiner Sicht eine tiefe Bedeutung haben, die sich auf persönliche Erfahrungen gründet, und am liebsten einen gewaltigen Refrain.« Was genau hinter den oft dunkel gefärbten Songs seines neuen Albums steckt, behält er allerdings für sich. Er verrät lediglich, dass die Erlösung (Redemption) das tieferliegende Thema ist. »Es geht um Verlust und Kummer und das Verlangen, sich davon reinzuwaschen.«