Blue Öyster Cult
Neues Album 2020

Nachdem sich Blue Öyster Cult fast zwei Jahrzehnte lang damit zufrieden gaben, ihr bis 1972 zurückreichendes Klassikerwerk auf die Konzertbühnen zu bringen, hat die mysteriöse Hardrock-Legende aus Long Island nun ein neues Album angekündigt.

Die Zeit sei reif, mit der aktuellen Bandbesetzung neue Musik für eine Platte zu schreiben, gibt sich Gitarrist Donald "Buck Dharma" Roeser euphorisch, der zusammen mit dem ebenso Gitarre spielenden Lead-Sänger Eric Bloom 1971 bereits zur Startformation von Blue Öyster Cult gehörte. Komplettiert wird die Band derzeit von Richie Castellano (Gitarre und Keyboards) sowie von Danny Miranda (Bass) und Jules Radino (Schlagzeug).
 
Die Veröffentlichung des Nachfolgers von Curse Of The Hidden Mirror (das Album von 2001 soll zudem neu aufgelegt werden) ist für Anfang 2020 über Frontiers Records geplant. Auch Neueditionen von Cult Classic (1994) und Heaven Forbid (1998) sowie gleich mehrerer zwischen 2002 und 2017 entstandener Konzertmitschnitte wurden angekündigt.
 
Von allen Rockbands, die in den frühen siebziger Jahren Aufsehen erregten, sind Blue Öyster Cult stets eine der geheimnisvollsten und am schwersten greifbare geblieben: Kryptische Texte voll bizarrer Poesie, geheimnisvolle Plattencover und düstere Riffs verleihen Blue Öyster Cult eine Aura des Okkulten. Mit Hits wie ›(Don't Fear) The Reaper‹ und ›Godzilla‹ erschloss sich das US-Quintett in der zweiten Hälfte der Siebziger ein breites Publikum, bis heute gehen rund 14 Millionen verkaufter Alben auf das Konto der Band.
 
Eine zentrale Rolle in ihrer Geschichte spielte von Beginn an Entdecker Sandy Pearlman, der neben seiner Funktion als Manager für die Produktion vieler Platten, das Erscheinungsbild der Gruppe sowie für zahlreiche Texte verantwortlich war. Auch Rockkritiker Richard Meltzer, Science-Fiction- und Fantasy-Autor Michael Moorcock sowie die spätere NYC-Ikone Patti Smith, die einige Jahre mit Lanier liiert war, steuerten mysteriöse Textgeschichten bei.
 

Blue Öyster Cult in Scheiben: Essenzielles und Empfehlungen
 
Agents Of Fortune (1976)
Nach dem in positiver Hinsicht verschrobenen Frühwerk bedeutete Agents Of Fortune einen deutlichen Schritt in Richtung Mainstream. Die Songs wurden eingängiger, melodischer und nicht zuletzt vielfältiger. Das unsterbliche ›(Don’t Fear) The Reaper‹ mit seinem verführerischen Dialoggesang sicherte der Band auf ewig einen Platz in den Annalen des Rock. ›This Ain’t The Summer Of Love‹ und ›E.T.I. (Extra Terrestrial Intelligence)‹ avancierten zu weiteren Klassikern. Bei der unheimlichen Rachemär ›The Revenge Of Vera Gemini‹ ist Patti Smith als femme fatale zu hören.
 
Spectres (1977)
Ein logischer Nachfolger zum 1976er Durchbruchwerk, stilistisch ebenso breit gefächert, aber qualitativ noch einen Tick ausgeglichener. Der stampfende Opener ›Godzilla‹ (”Oh, no, there goes Tokyo! Go, go Godzilla!”) stellt einen der unverrückbaren Eckpfeiler der Bandhistorie dar. Weitere Glanzlichter setzen ›Nosferatu‹ mit stilvoller Schauerromantik, das poppige, mit Mott-The-Hoople-Frontmann Ian Hunter geschriebene ›Goin’ Through The Motions‹ sowie die sehnsuchtsvolle Ballade ›I Love The Night‹, die wunderbarste Ode, die je der Dunkelheit gewidmet wurde.
 
Fire Of Unknown Origin (1981)
Neben Agents Of Fortune und Spectres das dritte unentbehrliche Album, das die Trademarks der Gruppe geschickt mit Keyboardsounds kreuzt. Der kompakte Ohrwurm ›Burnin’ For You‹ bedeutete für den Fünfer den bis heute letzten Hit. Aber auch die gleichzeitig garstige und humorvolle Legendenschändung ›Joan Crawford‹, die kernige Hymne ›Vengeance (The Pact)‹ sowie der handfest getrommelte Fiebertraum ›Veteran Of The Psychic Wars‹ gehören in die BÖC-Ruhmeshalle. Abgerundet wird das atmosphärisch düsterste Werk der Band vom stimmungsvollen Cover-Artwork.
 
Secret Treaties (1974)
Der erste Cult-Klassiker und das Album, das die New Yorker endgültig in der Szene des harten Rock etablierte. Mit viel Phantasie und Eigenständigkeit entwirft die Gruppe hier eine Art alternative Weltordnung, in der sich reale Hintergründe und Fiktion faszinierend durchdringen, umgesetzt in Songperlen wie ›Career Of Evil‹, ›Flaming Telepaths‹ und ›Subhuman‹. Das Herzstück ist jedoch die knapp siebenminütige, von Pianoklängen veredelte Traumreise ›Astronomy‹. Das im Booklet erwähnte Buch The Origins Of A World War, die scheinbare Basis der Texte für Secret Treaties, existiert nicht.
 
Blue Öyster Cult (1972)
Das Debüt brachte der Gruppe nicht nur Vergleiche mit Steppenwolf oder den Doors ein, sondern auch ihren anfänglichen Ruf als “amerikanische Black Sabbath”. Vor allem ›Cities On Flame With Rock And Roll‹ steht offenkundig in bester Tony-Iommi-Rifftradition. In jeglicher Hinsicht bizarre und dennoch nachvollziehbare Songs wie ›I’m On The Lamb But I Ain’t No Sheep‹ oder ›Workshop Of The Telescopes‹ hatte man hingegen in der Rockwelt so noch nicht vernommen. Das balladeske ›Then Came The Last Days Of May‹ offenbarte zudem bereits die vor allem bei Donald Roeser ausgeprägte Pop-Sensibilität.
 
Cultösaurus Erectus (1980)
Nach dem vielen Fans zu seichten Mirrors zeigten sich BÖC auf dieser Platte wieder härter, was bereits der von Michael Moorcock getextete Opener ›Black Blade‹ deutlich machte. Ebenfalls zu einem echten Klassiker mauserte sich ›The Marshall Plan‹, das nix mit Aufbauhilfe nach dem Zweiten Weltkrieg zu tun hat, sondern eine amüsante Rock‘n’Roll-Story inklusive Verbeugung vor ›Smoke On The Water‹ erzählt. Übersehenes Highlight ist das transparent arrangierte ›Deadline‹ mit seinem dominanten Basslauf.