Bishop Gunn
Vom Grabstein auf die Bühne

Als sich die vier Musiker von Bishop Gunn vor vier Jahren zusammentaten, dachten sie nicht sehr viel weiter als bis zum nächsten Konzert. »Es gab da einen freien Slot auf einem Festival in Natchez, Mississippi, dem Nest, aus dem wir kommen. Dort wollten wir unbedingt auftreten, hatten aber keine Band. So haben wir uns gefunden. Unseren Namen haben wir von einem Grabstein. Das ist dann wohl das spannendste Detail unserer Gründung«, lacht Travis McCready. Seither sind der Sänger, Gitarrist Drew Smithers, Bassist Ben Lewis und Schlagzeuger Burne Sharp als Band schnell gewachsen.

»Wir haben zunächst bloß Siebziger-Zeug von Led Zeppelin, Aerosmith und Black Sabbath gespielt. Das sind Bands, die uns noch immer sehr viel bedeuten und die in uns mitschwingen«, erzählt McCready. »Wenn du mich fragst, wie wir klingen, dann würde ich sagen wie eine Roots-Band mit aufgedrehten Verzerrern. Ich will Geschichten erzählen, zu denen die Leute einen Bezug aufbauen können. In dieser Hinsicht ist Bob Seger ein absoluter Held für mich.«

Ihr in den USA bereits 2017 in Eigenregie veröffentlichtes Debüt Natchez weckt unweigerlich auch andere Assoziationen, mit denen sich der Sound der jungen Band beschreiben ließe. Bluesrock und Southern-Soul spielen eine große Rolle in ihrer Musik. Lassen sie letzteren wie etwa in ›Shine‹ ungehemmt gewähren, so wärmen Bishop Gunn wie ein gemeinsames Lagerfeuer von Whiskey Myers, Blackberry Smoke und der Tedeschi Trucks Band vor den Muscle Shoals Sound Studios — einem der drei Aufnahmeorte, an denen das von Mark Neill (The Black Keys) produzierte Album entstand. Wird es dagegen etwas härter, zeichnen sich auch Einflüsse wie Gov’t Mule und die in ihrem Temperament gemäßigteren Rival Sons ab, in deren Sänger Jay Buchanan sie einen prominenten Förderer fanden.

»Wir sind inzwischen gut mit ihnen befreundet und würden nur zu gerne mit ihnen auf Tournee gehen«, meint McCready, freut sich aber zunächst auf die Club-Konzerte, die Bishop Gunn im März nach Europa bringen werden — und auch ins Vorprogramm der Tournee von Slash. »Ich bin sehr gespannt, wie das alles werden wird. Nach diesen Shows werden wir langsam unsere zweite Platte angehen, überstürzen wollen wir aber nichts. Natchez fühlt sich noch immer ganz frisch und neu für uns an.«

Den Song ›Shine‹ stellen wir aktuell in ROCKS Nr. 69 (02/2019) auf der Heft-CD vor.