Running Wild

Feuer ist teuer

In Shadowmaker legte die Institution des deutschen Heavy Metal im Vorjahr ein polarisierendes Comeback-Album vor. Auf Resilient rückt Frontmann Rolf Kasparek alias Rock’n’Rolf die musikalischen Markenzeichen seiner Band wieder etwas stärker in den Mittelpunkt.

Schon das Coverartwork, auf dem das altgediente Maskottchen Adrian prangt, deutet an, dass die zehn neuen Songs eine partielle Rückbesinnung auf klassische Bandtugenden darstellen. Die partytaugliche Rock-Attitüde, die sich auf dem Vorgänger Shadowmaker in Stücken wie ›Piece Of The Action‹ oder ›Me & The Boys‹ fand und an Kaspareks zwischenzeitliches Projekt Toxic Taste erinnerte, ist im Gegenzug verschwunden.

»Es war aber nicht so, dass ich das geplant hätte«, nickt Rock'n'Rolf. »Ich hatte bereits ein paar Songs geschrieben, als mir plötzlich die Idee zu ›Soldiers Of Fortune‹ kam. Ich habe gleich gemerkt, dass das Lied ein bisschen wie früher klingt. Danach sind sofort ›The Drift‹ und ›Bloody Island‹ entstanden, die beide auch typisch für Running Wild sind. In dieser Phase hat die Platte eine andere Richtung genommen, ohne dass sie völlig umgeschwenkt wäre.«

Mit dem treibenden, von galoppierenden Drums und wuchtigen Rhythmusgitarren geprägten Power Metal, der Running Wild in den Achtzigern und Neunzigern zu einer der wichtigsten einheimischen Genre-Formationen machte, hat daher auch Resilient nur bedingt zu tun. Wie schon bei The Brotherhood (2002), Rogues En Vogue (2005) und Shadowmaker dominieren auf der LP groovige Nummern im Midtempo, die sich oft eher in für Hardrock typischen Härtegraden bewegen.

»Man darf dabei nicht vergessen, dass ich auch in den Anfangstagen von Running Wild immer mal hardrocklastige Sachen komponiert habe, beispielsweise ›Uaschitschun‹ oder ›Raise Your Fist‹«, findet Kasparek. »Als ich mir 1972 meine erste Gitarre gekauft und mit der Musik angefangen habe, gab es außer Black Sabbath noch nichts, was man als Heavy Metal hätte bezeichnen können. In meiner Jugend habe ich auch stets Bands wie AC/DC und Kiss gehört.«
Die allmähliche Hinwendung zu etwas gemäßigteren Klängen hat aber noch einen anderen Grund: »Da ich in der Vergangenheit jede Menge Platten gemacht hatte, auf denen es viele schnelle Lieder gab, kam es mir irgendwann so vor, als hätte ich zu diesem Thema alles gesagt. Ich wollte lieber andere Bereiche ausloten.« Damit einher ging ein Sound, der nicht mehr so massiv wie einst ausfällt, sondern auf reduziertere Arrangements setzt. Für Kasparek auch eine Frage des Lebensgefühls: »Ich bin jetzt mit 52 entspannter als mit 32.«

Dass ihn viele auf den Stil seiner Klassiker reduzieren, sieht er gelassen: »Eine Gruppe wird immer an den Platten gemessen, mit denen sie groß wurde. Bei Running Wild sind das eben Death Or Glory, Pile Of Skulls oder unser meistgekauftes Album Blazon Stone. Das sind die Werke, die die Band ausgemacht haben, das muss man ganz klar so sehen.« Doch seitdem seien zwanzig Jahre vergangen, in denen er sich als Person stark verändert habe. »Wenn ich heutzutage gezielt versuchen würde, schnelle Doublebass-Songs oder eine sehr harte, ruppige Scheibe wie Masquerade zu schreiben, allein weil bestimmte Leute das von mir erwarten, käme nur Grütze heraus.«

Auch was das Thema Live-Präsenz angeht, bleibt Kasparek konsequent: Wie zu Shadowmaker wird es auch zu Resilient keine Tour geben. Lediglich ein paar ausgewählte Auftritte bei Sommerfestivals im nächsten Jahr stehen als Option im Raum. Dabei lässt sich heute mit Konzerten bekanntlich mehr Geld als mit Plattenverkäufen verdienen. »Running Wild waren aber noch nie für Mammuttourneen bekannt«, gibt er zu bedenken. Auch deshalb, weil schon früher nicht alle Angebote wirtschaftlich Sinn gemacht hätten. »Die Fans finden es toll, wenn man zum Beispiel eine große Pyroshow auffährt, aber ich kriege die ja nicht geschenkt. Und bei Running Wild erwarten die Leute nun mal was fürs Auge.« Zudem sei das Leben auf Tour nichts für ihn. »Die 90 Minuten auf der Bühne habe ich immer geliebt, aber das ganze Drumherum, das Reisen, die Hotels, fand ich schrecklich. Das ist einfach nicht meine Welt.«


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