L.A. Guns

The Missing Peace

Frontiers
VÖ: 2017

Großkalibrige Rückbesinnung

Noch vor wenigen Jahren schien es völlig undenkbar, dass Sänger Phil Lewis und Gitarrist Tracii Guns wieder zueinander finden könnten. Zu verhärtet waren die Fronten, zu tief saß bei Lewis der Frust darüber, dass Guns nach Waking The Dead (2002), ihrer besten Scheibe seit einer Dekade, ausgestiegen war, um sich der Supergroup Brides Of Destruction um Mötley Crüe-Bassist Nikki Sixx anzuschließen — und nach deren rascher Implosion ausgerechnet auf die Idee kam, mit einer eigenen Version der L.A. Guns seinem ehemaligen Kumpel das Leben schwer zu machen. Dass Lewis’ Truppe auch ohne den Gitarristen gut zurechtkam, bewies vor allem das starke Tales From The Strip (2005). Erfreulich ist der Friedensschluss trotzdem, denn samt ihrer neuen Besetzung knüpfen die beiden konsequent und kompositorisch ausgereift an den klassischen Sleaze-Sound ihrer Band an, ohne eine bloße Kopie von Alben wie L.A. Guns (1988) und Cocked & Loaded (1989) abzuliefern.

Ihr gleichnamiges Debüt, an das sich auch das Cover-Artwork von The Missing Peace anlehnt, ist in kernigen Dreckschleudern wie ›Speed‹, ›It’s All The Same To Me‹ und ›The Devil Made Me Do It‹ omnipräsent, beim Ohrwurm ›Don’t Bring A Knife To A Gunfight‹ sowie ›A Drop Of Bleach‹ sind daneben auch Reminiszenzen an Waking The Dead zu vernehmen. Als willkommener Kontrast dienen die Halbballaden ›Gave It All Away‹ und ›The Flood’s The Fault Of The Rain‹ sowie das sanfte ›Christine‹ (das der Geist eines ›Crystal Eyes‹ durchweht), die allesamt dem melodischeren Charakter ihrer dritten LP Hollywood Vampires (1991) verpflichtet sind. Lewis’ markante Kreisch-Stimme ist auch mit sechzig noch prima in Schuss, Kritik verdient lediglich der phasenweise etwas schwachbrüstige Sound. Ein spätes Jahres-Highlight im Hardrock-Sektor stellt The Missing Peace dennoch dar.

(8/10)

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