Josh Smith

I'm Gonna Be Ready

Crosscut
VÖ: 2011

Jugendliebe währt am längsten

Mit der Neuauflage dieses traditionellen Blues-Albums setzt der Gitarrist ein klares Signal: Seine Leidenschaft für die blauen Töne, die seine ersten Platten Mitte der Neunziger prägten, ist längst nicht abgeflaut. In der Zwischenzeit war der Frühstarter vor allem als Sideman beschäftigt, und selbst sein instrumentales Gitarren-Opus Inception von 2010 zeigte nur begrenzt den Bezug zum Blues. I’m Gonna Be Ready ist nun der erste Schritt im Neuaufbau seiner Karriere als Verfechter des Nachkriegs-Blues nach dem Vorbild von B.B., Buddy & Co.

Der ursprüngliche Titel Deep Roots dieses schon 2006 eingespielten Werkes zeigt, wo es langgeht. Straighter und trockener als der Auftakt ›Fine Young Thing‹, bei dem Harp-Spieler Lynwood Slim gastiert, kann ein Blues kaum sein. Mit den bläsergetriebenen Titeln ›Only You‹ und ›You And Me (Don’t Belong Together)‹ bewegt sich Josh Smith zwischen Van Morrison und dem Soul-Duo Sam & Dave, während sich ›Goin’ Out Tonight‹ und ›The Way You Do‹ stark an seinem Helden B.B. King orientieren. Das ist zwar alles handwerklich sauber, erzielt aber, da Smith kein begnadeter Sänger ist, kaum emotionale Wirkung.

Das ändert sich schlagartig mit dem fulminanten Titelsong. Hier wird der Saitenmann lediglich von einer kleinen und schlicht auftretenden Rhythmusgruppe begleitet. Der Gitarrist selbst schaltet auf einen dreckigeren Ton um, schielt in Richtung Delta-Blues. Auf einmal kommt richtig Leben in die Bude, auch im Gesang werden Ecken und Kanten hörbar. ›Sober Up Baby‹ lebt von aggressiven, abgehackten Gitarren-Licks nach Art von Buddy Guy, ›Ain’t Enough‹ von einem unablässigen, stumpfen Groove. So erreicht Smith im Herzen der Scheibe beachtliche Hochwerte, bevor am Schluss die Spannung wieder etwas abflacht.

Als Bonus liegt im hübschen Digipak ein zweiter Silberling mit vier Stücken des Vorgängers Inception. Obwohl sie komplett aus dem Zusammenhang gerissen werden, bestätigten sie die Fähigkeit dieses Mannes, große Momente zu liefern.

Keine Wertung

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