Bigelf

Into The Maelstrom (2014)

Über ein Vierteljahrhundert hinweg verkneteten die herrlich durchgedrehten Kalifornier Prog- und Glam-Rock mit Sechziger-Psychedelic und schweren Doom-Riffs. Auf der Karriereleiter vorwärts kamen Bigelf damit kaum — auch nicht, als sie in Schlagzeuger Mike Portnoy einen begeisterten Fürsprecher und Mitmusiker gewannen.

TEXT: DANIEL BÖHM

Positiv Durchgeknallte gibt es viele auf der Welt. Und doch sind offenbar nur die wenigsten zu solch wundersam-wunderbarer Musik fähig wie Bigelf aus Kalifornien. Drei EPs und vier Studioalben hat die Gruppe um den singenden Mellotron-Sammler Damon Fox seit der Gründung 1995 veröffentlicht, die sich allesamt das Freakshow-Siegel redlich verdienten.



Als sie 1997 den großartigen Erstling Money Machine fertiggestellt hatten, fand sich dann auch niemand, der sich die Platte herauszubringen traute — erst drei Jahre später erbarmte sich ein Kleinst-Label in Schweden.

Dem Zweitwerk Hex nahm sich 2003 dann ein Weltkonzern an, der das Album allerdings nur in Skandinavien veröffentlichte. Cheat The Gallows (2008), das in Europa mit einem Jahr Verspätung ankam und auf dem sich die Gruppe filigraner, bombastischer und dramaturgisch pompöser zeigte als auf den vorangegangenen Veröffentlichungen, schien einstweilig Auftrieb zu geben — doch dann versanken Bigelf abermals in der Versenkung.



In Mike Portnoy fanden sie einen prominenten und Fürsprecher für ihre Kunst, der sie 2009 als Gäste auf die Progressive-Nation-Tournee von Dream Theater aufspringen ließ, ehe er sich für Into The Maelstrom (2014) begeistert selbst ans Schlagzeug dieser sehr speziellen Band setzte. Dass Portnoy ausgerechnet Bigelf so gut gefielen, dürfte niemanden verwundern, denn in dem fieberhaften Soundmischmasch der Kalifornier blitzen sämtliche seiner Lieblingscombos auf.

Da dröhnen Black Sabbath, triumphieren die späten Beatles und tänzeln mit T.Rex, Van der Graaf Generator, King Crimson und David Bowie in ein riesengroßes Klangabenteuer hinein, das trotz auslotbaren Reverenzen in einem ein ganz und gar eigenem Sound mündet. Seit Money Machine ist dieser ein gutes Stück herausfordernder geworden — gleichzeitig haben die überladenen Kompositionen des einzig verbliebenen Originalmitglieds Damon Fox erheblich an bombastischer Finesse gewonnen.



Obwohl Fox wie gewohnt seiner großen Leidenschaft für Tasteninstrumente wie Hammondorgel und Mini-Moog frönt, nehmen die Gitarren eine dominantere Rolle ein als zuletzt. Vor allem aber ist da immer wieder dieses unglaubliche Mellotron, dessen virtuoser Einsatz in einem schlechten Augenblick regelrechten Stress beim Zuhörer verursachen kann bei all diesem Gezirpe und den attackierenden Streicher- und Orgel-Einschüben (›High‹, ›Vertigod‹), die genauso wenig ohne sind wie der theatralisch überzeichnete Gesang des bärtigen Meisters



Es sind die eingängigen Nummern ›Controlfreak‹, ›Alien Frequency‹ oder die Beatles-Wonne ›Already Gone‹, die einem den Weg durch Into The Maelstorm weisen und Stück für Stück auch die stärker verwinkelten Ecken dieses schillernden Tonschatzes erforschen lassen. Prog- wie Classic-Rock-Anhänger werden gleichermaßen bezaubert sein. Wer’s gleich wissen will, testet sich und die famose Abschlussnummer ›Edge Of Oblivion‹.


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