Sons Of Apollo

Live With The Plovdiv Psychotic Symphony

InsideOut
VÖ: 2019

Instrumentalschlachten mit Szenenapplaus

Seit zwei Jahren genießt diese Star-Combo bei Mike Portnoy oberste Priorität: So viel Zeit wie in Sons Of Apollo hat der einstige Dream Theater-Trommler in kaum eines seiner anderen Projekte investiert. Mit ihrem 2017 erschienenen Erstling Psychotic Symphony war der Band ein erstaunlich zugängliches Progressive-Metal-Feuerwerk mit tragfähigen Melodien gelungen, das ganz nach dem Geschmack des 52-Jährigen geriet. Die Frage, ob die fünf Ausnahmetalente den nötigen Teamgeist aufbringen würden, um auf der Bühne zu einer schlagkräftigen Einheit zusammenzuwachsen, beantworten die Söhne Apollos mit diesem imposanten Konzertdokument.

Und nicht zuletzt auch das im bulgarischen Plovdiv anwesende Publikum, das sich während der irren Instrumentalschlacht in ›Signs Of The Time‹ oder dem überlangen ›God Of The Sun‹ mit spontanem Szenenapplaus bedankt. Mit großer Spiellaune zelebriert die Band zunächst den größten Teil ihres Plattendebüts, ehe sie sich von dem Plovdiv Symphony Orchestra verstärken lassen und ihren musikalischen Vorbildern Tribut zollt, die wenig überraschend Led Zeppelin (›Kashmir), Rainbow (›Gates Of Babylon‹) und Ozzy Osbourne (›Diary Of A Madman‹) heißen. Die schlau platzierten Soloeinlagen hätten gerne kürzer ausfallen dürfen, gerade der Solo-Spot des Bass-Virtuosen Billy Sheehan (Mr. Big, David Lee Roth, Talas) bremst den Fluss der Show abrupt ab; auch der bereits von der letzten Tour bekannte Auszug aus Queens ›Prophet Song‹ ist recht unglücklich gewählt.

Keyboarder Derek Sherinian nutzt mit Synthesizer, Piano, Hammondorgel und Mellotron eine breite Klangpalette; dem vor zwanzig Jahren unter seinem Mitwirken entstandenen Dream Theater-Opus Falling Into Infinity tragen er und Portnoy mit den enthusiastisch vorgetragenen Liedperlen ›Just Let Me Breathe‹ und ›Lines In The Sand‹ Rechnung und sorgen damit für echte Glücksmomente. Guns N’ Roses-Tourgitarrist Ron „Bumblefoot“ Thal gibt gegen Ende der über 150-minütigen Aufführung im Van Halen-Gassenhauer ›And The Cradle Will Rock‹ überzeugend den Eddie, ehe sich die Gruppe mit ihrem Eigengewächs ›Coming Home‹ ausgepowert verabschiedet. Als harte Konkurrenz für das Traumtheater hat sie sich mit einer energiegeladenen und engagierten Vorstellung empfohlen, die auf Blu-Ray und drei CDs für die Ewigkeit konserviert wurde.

Keine Wertung
TEXT: MARKUS BARO

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