Sabaton

The Great War

Nuclear Blast
VÖ: 2019

Flauschrauschen beim Schulfest

Sabaton gefallen sich in der Rolle der Historiker, die in einem sehr erfolgreich zur Marke aufgebauten Miteinander aus Textkonzept und Bildsprache die finsteren Episoden des Weltgeschehens reflektieren. In Wahrheit ist ihr Interesse rein militärgeschichtlicher Natur, das die Schweden in tumbe Mitklatsch-Songs mit schwer erträglichem Proll- und Promille-Pathos pressen, Schlachten, Kriegsereignisse und Militär-Figuren besingen und zu einer sonderbaren Show-Kulisse verklären. Den Vogel schießen Sabaton nun mit der „History Edition“ ihrer neuen Konzept-Platte ab, auf der effektheischende Erzähl- und Hörspielpassagen ihren Liedern den inhaltlichen Einstieg bereiten sollen — und etwa beschwörerisch aufklären, dass im Ersten Weltkrieg Giftgas zum Einsatz kam: Wenig später wird in ›The Attack Of The Dead Men‹ in Sabaton-Bombast-Manier dazu geschwoft.

›Fields Of Verdun‹? Diesem Ort des Massakers und des Schreckens solch plumpe Stammtischreime und ein unerträgliches Video mit billig nachgestellten Schützengrabenszenen zu widmen, ist nichts anderes als perfide. Dass es auch anders geht und historische Kriegsszenarien im Heavy Metal durchaus gehalt- und auch respektvoll umgesetzt werden können, haben Iron Maiden in ›Paschendale‹ oder ›The Longest Day‹ bewiesen. Selbst Iced Earth muss man für ihr ›Gettysburg‹-Epos Respekt zollen — verunfallt ist die zugehörige Platte seinerzeit durch andere textliche Fehltritte. So perfide das konzeptionelle Drumherum auch ist: Für Sabaton ist es essenziell und sinnstiftend. Denn musikalisch ist das hier nicht mal mehr der plumpe Skifreizeit-Metal von früher, sondern ein grundharmloses Flauschrauschen, zu dem Drittklässler beim Sommer-Schulfest Einsteiger-Ballett tanzen.

(1/10)
TEXT: DANIEL BÖHM

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