Retrospective

Latent Avidity

Just For Kicks
VÖ: 2019

Gleichförmiges Brodeln

Nicht kleckern, sondern klotzen: Die polnische Band setzt bei ihrer Spielart von Progressive Rock auf die volle Breitseite — Keyboards, Gitarren, Gesang stehen meist im Raum wie eine Wand. Dazu roboterhaft geradliniges Drumming ohne Experimente und ohne Inspiration. Das erzeugt eine Art vollmundige Melancholie, bei der es weniger um den Song, als um Stimmungen geht, gerne auch mal mit Heavy-Gitarren (›The Seed Has Been Sown‹). Die Kompositionsweise erinnert von fern an Eloy, die Hannoveraner handhaben dies allerdings subtiler und ideenreicher. Die einzige wirkliche Abwechslung in diesem Strudel gleichförmigen aufdringlichen Wohlklangs, der nie ausgetretene Wege verlässt, sind die Wechsel am Mikro. Der Kontrast zwischen Lead-Sänger Jakob Roszaks dunkler, akzentgefärbter Stimme und dem glockenhellen Organ von Keyboarderin Beata Lagoda (vor allem in ›Loneliness‹ und ›Still There‹) ist ein Pluspunkt, der aber die aufkommende Langeweile nur mühsam in Schach hält. Wer die fast elf Minuten des mantramäßigen ›What Will Be Next‹ durchhält, wird immerhin noch mit ein paar flirrend-flauschigen Flötentönen belohnt.

(6/10)

ROCKS PRÄSENTIERT

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